Zeitdruck und Stress im Baugewerbe seltener


Volle Auftragsbücher, gute Stimmung – der deutschen Baubranche könnte es kaum besser gehen. Doch viel Arbeit bedeutet oft Zeitdruck und Stress für die Beschäftigten. Im Vergleich zu anderen Handwerkern sehen sich Angestellte im Bauhandwerk allerdings seltener diesem Druck ausgeliefert, fand eine nicht-repräsentative Umfrage heraus, die der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) in Schleswig-Holstein Nordwest im vergangenen Jahr durchführte.

Befragt wurden vor allem Beschäftigte aus der Gebäudereinigung, dem Bauhauptgewerbe und von Bäckereien. Einige wenige Umfrageteilnehmer kamen außerdem aus der Kfz-Branche und dem Gartenbau. Bei den Fragen nach Stress und Zeitdruck schnitt keine der Branchen besonders gut ab, allerdings waren die Werte des Baugewerbes meist besser als in den anderen Gewerken. So gaben immerhin 72 Prozent der Bauhandwerker an, sich „sehr häufig“ oder „oft“ bei der Arbeit gehetzt und unter Zeitdruck zu fühlen – kein guter Wert, aber niedriger als der Durchschnitt, der im deutschen Handwerk bei erschreckenden 84 Prozent liegt. Auch hatten 84 Prozent der Bauhandwerker das Gefühl, immer mehr Arbeit in der gleichen Zeit schaffen zu müssen, das waren vier Prozentpunkte weniger als im Durchschnitt.

Noch besser schnitt das Bauhandwerk bei den Umfrageergebnissen zu Wertschätzung und Entlohnung ab. Mit 52 Prozent gab gut die Hälfte der Befragten an, sich „hoch“ oder „ausreichend“ durch die Vorgesetzten wertgeschätzt zu fühlen, allerdings sahen sich auch 48 Prozent nur „gering“ wertgeschätzt. Dieser Wert lag bei den Bäckereiangestellten (86 Prozent) und den Gebäudereinigern (72 Prozent) deutlich höher. Außerdem verdienen Beschäftigte am Bau besser: 77 Prozent der Teilnehmer gaben an, mehr als 15 Euro Stundenlohn zu beziehen, was in den anderen Gewerken praktisch nie der Fall ist.

Auf die Frage, ob dieses Einkommen im Alter zu einer ausreichenden Rente reichen werde, antworteten elf Prozent der im Baugewerbe beschäftigen Befragten mit „Ja“, 38 Prozent mit „Nein“ und 51 Prozent mit „Weiß nicht“. Auch hier steht die Gruppe damit deutlich besser da als der Durchschnitt. Dass sich aber über die Hälfte der Teilnehmer nicht sicher war, verwundert die Umfrageorganisatoren beim DGB. Sie sehen die Rente im Baugewerbe als sehr sicher und wollen dieser Ungewissheit deshalb mit Beratungsangeboten begegnen.

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AUTOR
Benedikt Falz
VERÖFFENTLICHT AM
01.02.2017
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