ZDB: Tarifforderungen gefährden die Bauwirtschaft


Das Baugewerbe reagiert mit Unverständnis auf die Marschrichtung der IG BAU in den Tarifverhandlungen: Die Forderungen stellen eine Gefahr für die gute Lage der Bauwirtschaft dar.

Die erste Runde der Tarifverhandlung für die rund 800.000 Beschäftigten im Bauhauptgewerbe, die heute im hessischen Wiesbaden stattgefunden hat, ist ergebnislos vertagt worden. Schon im Vorfeld zeigte sich Frank Dupré, Vizepräsident des Zentralverbandes Deutsches Baugewerbe (ZDB), wenig begeistert von den Forderungen der IG BAU:

„Die Forderungen der IG BAU zur Lohn-und Gehaltsrunde 2018 sind im Moment die größte Gefahr für die Bewältigung der tatsächlich guten Auftragslage. Insbesondere die Forderung nach Anrechnung der Anfahrtszeiten zur Baustelle als Arbeitszeit würde auf einen Schlag zu einer Verringerung der verfügbaren produktiven Arbeitszeit um etwa ein Achtel führen. Das wäre das größte Fachkräfteabbauprogramm in Deutschland seit Einführung der Rente mit 63. Angesichts des bereits vorhandenen Fachkräftemangels im Bau wäre die Erfüllung dieser Forderung für das Baugewerbe und seine Arbeitnehmer das Eigentor des Monats“.

Unverhältnismäßige Forderungen

Auch die geforderte sechs-prozentige Lohn- und Gehaltserhöhung hält Dupré für unverhältnismäßig. Zwar sei unstrittig, dass die Umsatzentwicklung in der Branche mit einem Plus von 5 Prozent im Vorjahr sehr positiv verlaufen sei, die Höhe der Forderungen könne dies allerdings nicht rechtfertigen. So differiere die Umsatzentwicklung sehr stark nach der Größe der Unternehmen, einzelnen Segmenten – beispielsweise im Wohnungsbau in den Bereichen Ein- und Mehrfamilienhausbau – sowie nach Regionen.

Ein Tarifabschluss müsse aber das gesamte Spektrum im Auge behalten, nicht nur die Spitzenwerte. „Sonst werden diejenigen, die nicht mithalten können, die Tarifbindung verlassen. Das kann weder im Interesse der Gewerkschaft noch der Unternehmen sein, die durch Branchentarifverträge realistische Mindestvergütungen für die gesamte Branche festlegen wollen.“

Zur jüngst geplatzten Tarifverhandlung kommentierte Dupré: „Wir haben unsere Positionen ausgetauscht. Vieles ist klarer und deutlicher geworden. Mehr ist in einer ersten Runde nicht zu erwarten gewesen. Wir bleiben dabei: Die Vorstellungen der IG BAU sind teuer - und können von uns so nicht erfüllt werden. Denn trotz Umsatzsteigerungen der Branche insgesamt sind die Baupreise und damit die Renditen nicht analog gestiegen. Die Verteilungsspielräume der Betriebe sind für die Wunschträume der IG BAU daher bei weitem nicht groß genug.“

Die zweite Runde der Tarifverhandlung 2018 beginnt am 28. Februar 2018 in Berlin.

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AUTOR
Jan Hell
VERÖFFENTLICHT AM
19.02.2018
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