Vor- und Nachteile des neuen Baukindergeldes


Das neue Baukindergeld verspricht einen Geldsegen für Familien und viele Aufträge für das Handwerk. Aber wie funktioniert es und warum wird es trotzdem kritisiert?

Eines der wichtigsten Anliegen der großen Koalition ist die Einführung des sogenannten Baukindergeldes. Laut Koalitionsvertrag soll das entsprechende Gesetz spätestens im September 2018 verabschiedet werden. Demnach sollen Familien, die ein Eigenheim kaufen oder bauen wollen, einen jährlichen Zuschuss in Höhe von 1.200 Euro pro Kind bekommen. Die Auszahlungsdauer ist dabei auf maximal zehn Jahre begrenzt.

Eine Familie mit einem Kind würde auf diese Weise also insgesamt 12.000 Euro Baukindergeld erhalten, eine fünfköpfige Familie mit drei Kindern dementsprechend 36.000 Euro. Das Bundesfinanzministerium rechnet insgesamt mit mehr als 200.000 Familien mit rund 300.000 Kindern in Deutschland, die von dieser Subvention profitieren würden.

 

Voraussetzungen fürs Baukindergeld

Um das Baukindergeld erhalten zu können, müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein. Dabei spielt es prinzipiell keine Rolle, ob Familien ihr Wohneigentum neu bauen oder kaufen wollen. Wichtig ist hierbei nur, dass der Förderzuschuss lediglich für den Ersterwerb von Wohneigentum gezahlt wird. Wer bereits eine Wohnung oder ein Eigenheim besitzt, geht leer aus. Auch eine rückwirkende Zahlung geht nicht.

An welchem Ort gebaut oder Wohneigentum gekauft wird, spielt jedoch keine Rolle. Das Baukindergeld wird flächendeckend gewährt. Allerdings gibt es eine Einkommenshöchstgrenze. So darf das zu versteuernde Haushaltseinkommen nicht höher als 75.000 Euro liegen, wobei pro Kind ein Freibetrag in Höhe von 15.000 Euro gewährt wird. Besagte Familie mit drei Kindern darf also maximal 120.000 Euro pro Jahr verdienen. Wird mehr Geld verdient, besteht kein Anspruch mehr auf das Baukindergeld.

Wie alt dürfen die Kinder sein?

Das Baukindergeld soll insgesamt über einen Zeitraum von zehn Jahren gezahlt werden – pro Kind. Hier stellt sich die Frage, wie lange der Nachwuchs überhaupt als Kind gilt. Eine genaue Antwort darauf gibt der Koalitionsvertrag nicht her. Familien müssen sich daher noch solange gedulden, bis der endgültige Gesetzestext vorliegt. Es gilt jedoch als wahrscheinlich, dass der Anspruch auf Baukindergeld an das Kindergeld geknüpft sein wird. Dann würde solange Baukindergeld gewährt werden, wie auch Kindergeld bezahlt wird.

Allgemeines Ziel dieser Finanzspritze sei es, die Wohnungsnot von Familien zu mindern und bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Was zunächst zwar wie eine gute Sache klingt, wird allerdings auch von vielen kritisiert.

 

Kritik am Baukindergeld

Das geplante Baukindergeld findet nicht nur Fürsprecher. Da nur Familien profitieren, die sich eine eigene Immobilie überhaupt leisten können, ist die Subvention umstritten. Gerade in Ballungsräumen, wo Wohnraum teuer ist, würden laut vielen Kritikern auch 12.000 Euro pro Kind nicht mehr viel ändern.

Zudem wird erwartet, dass die steigende Nachfrage zu noch höheren Immobilienpreisen führen würde. So vermutet beispielsweise der Eigentümer- und Mieterbund, dass die Baubranche ihre Preise ebenfalls an das zusätzliche Eigenkapital der Auftraggeber anpassen wird.

Wie die Deutsche Handwerkszeitung vom 20.März berichtet wäre es auch nicht die erste staatliche Förderung dieser Art, die einen solchen Effekt zufolge hätte. „Die Regierung förderte bereits zwischen 1996 und 2005 den Bau und Kauf von Wohneigentum. Eine Folge der sogenannten Eigenheimzulage war, dass die Grundstücks- und Baupreise stiegen.“

Kosten in Milliardenhöhe

Auch die Grünen befürchten, dass das Baukindergeld die Kosten in die Höhe treiben würde und letztlich in den falschen Händen landen könnte. Viele Familien würden kaum profitieren, als Steuerzahler aber indirekt dafür aufkommen. „Tatsächlich würde die staatliche Subvention ein großes Loch in die Staatskassen reißen, wie Finanzstaatssekretärin Christine Lambrecht auf Anfrage der Grünen bestätigte“, schreibt die Deutsche Handwerkszeitung.

So rechnet das Finanzministerium damit, dass das Baukindergeld anfangs rund 400 Millionen Euro pro Jahr kostet. Die Kosten würden aber jährlich kontinuierlich steigen. Ab dem vollen Jahr der Wirksamkeit rechnet Lambrecht daher damit, dass zusätzliche Kosten in Höhe von bis zu vier Milliarden Euro auf den Steuerzahler zukommen – pro Jahr. Innerhalb von zehn Jahren könnte das Baukindergeld somit Ausgaben in Höhe von 22 Milliarden Euro verursachen.

 

Alternativen finden

Entsprechende Alternativen zum Baukindergeld nennt beispielsweise das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Köln. „In einer Studie fand es heraus, dass es zielführender wäre, die Nebenkosten für Familien zu senken, etwa durch einen Freibetrag auf die Grunderwerbsteuer“, berichtet die Deutsche Handwerkszeitung. „Auch der Präsident des Instituts für Wirtschaftsforschung (ifo), Clemens Fuest, sieht die staatliche Förderung kritisch. Er würde alternative Investitionsanreize wie bessere Abschreibungsmöglichkeiten begrüßen.“

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AUTOR
Jan Hell
VERÖFFENTLICHT AM
11.04.2018
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