Uni Kiel setzt auf Ätzen statt Schweißen


Um Metalle zu verbinden, gibt es viele Möglichkeiten. Die Universität Kiel hat nun ein Verfahren erfunden, bei dem die Oberflächen durch gezieltes Verätzen zusammenhalten.

An der Uni Kiel wurde nun das „Metalangelo-Verfahren“ vorgestellt. Bei dieser Technik der Materialbearbeitung wird die Nano-Struktur eines Werkstoffs so verätzt, dass sich zwei Oberflächen mithilfe eines Klebers bombenfest verankern. Das zugehörige Werkzeug ist auch schon entwickelt und gebrauchsfertig.

Schweißen soll abgeschafft werden

Metalle verbinden ist ja eigentlich etwas für Schweißer, doch gerade diese Technik bringt nach Ansicht der Wissenschaftler zu viele Nachteile mit sich: Es bilden sich Nähte und Verfärbungen, Lack und Farbe nehmen Schaden, nur dicke Platten lassen sich schweißen, und zuletzt ist das Verfahren sehr aufwändig. „Wir haben daher das ‚Metalangelo-Verfahren’ entwickelt, das all diese Schwierigkeiten nicht kennt“, sagt Dr. Rainer Adelung, Physiker und Leiter der Arbeitsgruppe „Funktionale Nanomaterialien“ an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel.

Bei dem Verfahren wird eine so genannte Ätzzelle verwendet, ein Werkzeug, dass mit Chemieeinsatz die zu verklebenden Oberflächen anraut. Hier bilden sich dann Widerhaken-Strukturen auf Nanoebene, die extremem Druck standhalten können, wenn sie richtig verklebt werden.

Aluminium, Teflon, Silikon

Für mehrere Werkstoffe soll das Verfahren geeignet sein, patentiert ist es bereits für Aluminium. „Mit dieser Verzahnung lassen sich dann Metallteile mit einem Klebstoff mit extremer Festigkeit verbinden ohne das typische Problem von adhäsivem Versagen unter Last. An eine Alurosette von 28 Millimetern Durchmesser ließen sich etwa 1,75 Tonnen Gewicht hängen, ohne dass die Verbindung versagt“, wird Dr. Ing. Mark-Daniel Gerngroß, Materialwissenschaftler und einer der Erfinder des Verfahrens, im Handwerksblatt zitiert.

Auch andere Materialien, etwa aus Teflon oder Silikon, sollen sich so befestigen lassen. Damit schreiben die Forscher dem Metalangelo-Verfahren auch Einsatzbereiche in Handwerk und Industrie zu, da sich auch fragile Aluminiumteile verbinden lassen. So eigne sich die Technologie für die Konstruktion von Schiffen, Autos oder Wintergärten, glauben die Wissenschaftler aus Kiel.

Diesen Artikel weiterempfehlen

AUTOR
Benedikt Falz
VERÖFFENTLICHT AM
10.07.2018
Das könnte Sie auch interessieren
Handwerker sehen ihren Beruf als ihre Berufung

Neues vom Bau 21 Okt 2020 Bauwirtschaft,...
55_Kita Am Lehmberg _FL 14 Elektrotechnik

AUFTRAGSCHANCE 23 Okt 2020 Dresden
Chef haftet nicht bei Absturz von der Treppe

Neues vom Bau 21 Okt 2020 Ausbau,...
Interesse an weiteren Neuigkeiten, passend zu Ihrem Gewerk?