Tarifverhandlungen im Gerüstbau-Handwerk stocken


Die Verhandlungen um eine Erhöhung von Tariflohn und Ausbildungsvergütung im Gerüstbau-Handwerk sind vorerst gescheitert, da die IG BAU ein zweites Angebot nicht annahm.

1,3, 3 und 3,6 Prozent mehr Lohn pro Jahr boten die Arbeitgeber im Gerüstbau der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) an, doch die lehnte ab: Ein „Almosen“ sei das Angebot, so die Arbeitnehmervertreter. Wie es nun mit den Verhandlungen in der Branche weitergeht, ist noch offen.

Forderungen beider Seiten weit auseinander

Insgesamt ziehen sich die Verhandlungen schon seit mehreren Monaten hin. 2017 hatte man in drei Runden ergebnislos getagt, Anfang 2018 war zumindest ein Mindestlohn-Anschlusstarif in Höhe von 11,35 Euro ab dem 1. Mai 2018 festgelegt worden. Daneben gab es aber noch viele weitere Punkte: So forderte die Gewerkschaft eine Anhebung des Ecklohns um einen Euro pro Stunde und eine deutliche Anhebung der Ausbildungsvergütung um 150 Euro. Darüber hinaus soll ein neuer, höherer Mindestlohn 2 speziell für Facharbeiter geschaffen werden. Insgesamt sollten die Beschäftigten 5,5 Prozent über die kommenden 18 Monate mehr verdienen, meint die Gewerkschaft.

Gerade die Einführung eines Facharbeiter-Mindestlohns, der für die Gewerkschaft von großer Bedeutung ist, wird von den Arbeitgebern, die durch die Bundesinnung und den Bundesverband Gerüstbau vertreten werden, kategorisch abgelehnt. In anderen Punkten kamen sie der IG BAU allerdings entgegen und boten 3,6 Prozent Lohnplus über 24 Monate und 150 Euro mehr für Auszubildende an.

Wer hat Recht?

Die Tarifverhandlungen scheiterten, wie so oft, weil die Forderungen und Angebote der beiden Seiten meilenweit auseinander lagen. „Was die Arbeitgeber vorgeschlagen haben ist kein Angebot, das sind Almosen. Das ist mit der IG BAU nicht zu machen. Die Erhöhung bedeutet noch nicht einmal den Ausgleich der Inflation und damit einen Reallohnverlust. Wenn das so weitergeht, müssen nach den Vorstellungen der Arbeitgeber die Kollegen demnächst noch Geld auf die Baustellen mitbringen“, kommentierte der Stellvertretende IG BAU-Bundesvorsitzende Dietmar Schäfers.

„Die Tarifkommission von Bundesinnung und Bundesverband Gerüstbau machte deutlich, dass die Situation in den einzelnen Bundesländern sehr unterschiedlich sei und der Gerüstbau – trotz der allgemein guten Auftragslage im Bau – leider immer noch im unteren Preissegment kämpfe; die gestiegenen Kosten (insbesondere auch des letzten hohen Tarifabschlusses von bis zu 9,2 Prozent Lohnsteigerungen) und erforderlichen Investitionen können nicht in ausreichendem Maße gegenüber der Auftraggeberseite durchgesetzt werden“, hieß es dagegen von der Arbeitgeberseite.

Wie geht es nun weiter?

Nach Scheitern der Verhandlungen setzte die Gewerkschaft den Arbeitgebern eine Frist bis Mitte Juni, mit einem besseren Angebot aufzuwarten. Nach diesem Punkt könnte es zu Arbeitskämpfen kommen.

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AUTOR
Benedikt Falz
VERÖFFENTLICHT AM
14.06.2018
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