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Schwangere Mitarbeiterinnen unterliegen besonderem Schutz


Wenn eine schwangere Frau in einem Handwerksbetrieb arbeitet, sollte sie nicht einfach krankgeschrieben werden, sondern eine Gefährdungsbeurteilung durchgeführt werden.

Auch wenn das Handwerk weiterhin als Männerdomäne gilt, gibt es hier auch eine beachtliche Anzahl weiblicher Angestellter. Wenn diese Frauen schwanger werden, muss der Arbeitgeber aber nicht sofort einen Ausfall seiner Mitarbeiterin fürchten, sondern muss eine Gefährdungsbeurteilung durchführen und kann die werdende Mutter mitunter weiterhin einsetzen.

Gefahren für Mutter und Kind identifizieren

Das wichtigste vorneweg: Sobald der Arbeitgeber über eine Schwangerschaft informiert wurde, ist er gesetzlich zu einer Gefährdungsbeurteilung verpflichtet. Bei dieser Analyse, die für jede schwangere und stillende Mutter im Betrieb erneut durchgeführt werden muss, werden mögliche Risiken für Mutter und Kind ermittelt. Dies geht auf die Vorschriften im Mutterschutzgesetz und der Verordnung zum Schutz der Mütter am Arbeitsplatz hervor, erklärt Sabine Kowalewski, Betriebsärztin/Fachärztin für Innere Medizin bei der BG BAU – Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft, im Magazin ikz.de. Der Arbeitgeber hat eine solche Beurteilung selbst durchzuführen oder kann sie an eine fachkundige Person abgeben – beispielsweise die Fachkraft für Arbeitssicherheit, den Betriebsarzt oder das staatliche Amt für Arbeitsschutz.

Bei einer Gefährdungsbeurteilung werden maßgeblich die Arbeitsumgebung und die Arbeitsbedingungen unter die Lupe genommen. Bei der Umgebung wird beispielsweise festgestellt, ob die Arbeitnehmerin mit chemischen und biologischen Arbeitsstoffen (beispielsweise Farben, Gase sowie Viren), physikalischen Schadfaktoren (wie Lärm oder Vibrationen) oder anderen Faktoren wie Kälte oder Nässe in Berührung kommt. Gefährliche Arbeitsbedingungen können ungesunde Haltungen wie ständiges Sitzen oder Stehen oder fordernde Arbeitszeiten (beispielsweise Nachtschichten) beinhalten.

Arbeit umstellen oder die Mitarbeiterin freistellen?

Jegliche festgestellten Gefährdungen müssen danach vermieden werden. Dies kann bedeuten, dass man Arbeitsbedingungen oder die Arbeitszeiten umgestaltet. Sollte dies nicht möglich sein, kann das Unternehmen der Mitarbeiterin einen anderen Arbeitsplatz innerhalb der Firma suchen, wo keine Gefahren ermittelt werden können. Wenn selbst dies nicht gelingt, muss die Mitarbeiterin bis zum Ende des Mutterschutzes freigestellt werden. Für viele Angestellte und ihre Betriebe bedeutet dies sicherlich einen großen Aufwand und den eventuellen Ausfall der Kraft, andererseits können Betriebe auf diese Weise manche Schwangere noch lang weiterbeschäftigen, wenn sich eine verträgliche Lösung findet. Bei Bürokräften beispielsweise, für die ebenfalls eine Gefährdungsbeurteilung benötigt wird, ergibt die Beurteilung meist keine Risiken, sodass sie bis zum Mutterschutz arbeiten können.

Ist eine Mitarbeiterin allerdings freigestellt, darf sie ihre Arbeit nicht mehr fortführen. Für Betriebe gelten hier besondere Regelungen zur Lohnfortzahlung: Zunächst einmal ist der Arbeitgeber – genauso wie während des Mutterschutzes sechs Wochen vor und acht Wochen nach der Geburt – zur Fortzahlung des Arbeitslohns verpflichtet. Auf Grundlage des Aufwendungsausgleichsgesetzes ist aber geregelt, dass diese Zahlungen genauso wie der Lohn im Mutterschutz durch die zuständige Krankenkasse ausgeglichen werden. Für eine Rückerstattung der Lohnfortzahlungskosten zuzüglich des Arbeitgeberanteils an den Sozialversicherungsbeiträgen muss der Chef also einen Antrag bei der Krankenversicherung stellen, außerdem ist er zur Schwangerschaftsanzeige an die zuständige Bezirksregierung verpflichtet.

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AUTOR
Benedikt Falz
VERÖFFENTLICHT AM
11.12.2017
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