Neuer Mindestlohn für Dachdecker ab Januar 2018


Gelernte Arbeitnehmer im Dachdeckerhandwerk werden ab dem kommenden Jahr in einen neuen Mindestlohn 2 eingestuft, wodurch die Löhne in dieser Berufsgruppe steigen sollen.

Es ist zwar noch nicht Weihnachten, doch verteilen die Gewerkschaft und der Zentralverband im Dachdeckerhandwerk jetzt schon Geschenke: Wie die Tarifparteien mitteilen, einigte man sich in den Gesprächen für einen neuen Tarifvertrag auf die Einführung eines neuen Mindestlohns für qualifizierte Tätigkeiten. Dachdeckergesellen verdienen damit ab dem 1. Januar 2018 mehr Geld.

Vorteile für gelernte Kräfte

Ausgehandelt wurde der neue Vertrag von der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) und dem Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks (ZVDH). Der Kernpunkt ist der neue Mindestlohn 2, der den Stundensatz für Fachkräfte anhebt: Im Gegensatz zum derzeitigen Stundenlohn von 12,25 Euro verdienen gelernte Kräfte im Jahr 2018 dann 12,90 Euro und im Jahr darauf 13,20 Euro pro Stunde. Der bisherige Mindestlohn, der nun Mindestlohn 1 genannt wird und nur noch für ungelernte Arbeiter gilt, sinkt im Gegenzug auf 12,20 Euro pro Stunde.

Somit werden Fachkräfte ab Januar deutlich besser bezahlt als Hilfsarbeiter. Als gelernte Arbeitnehmer wird eingestuft, wenn man einen Gesellenbrief im Dachdecker-, Zimmerer- oder Klempnerhandwerk besitzt oder einen gleichgestellten staatlich anerkannten ausländischen Berufsabschluss vorweisen kann. Der Mindestlohn 2 wird außerdem gezahlt, wenn der Arbeitnehmer auch ohne Qualifikation fachlich qualifizierte Tätigkeiten ausführt.

Hilfs- und Vorbereitungstätigkeiten, wie das Anreichen von Materialien sowie das Ein- und Ausräumen und das Reinigen von Baustellen, gelten dagegen als unqualifiziert und fallen unter den Mindestlohn 1. Ganz ausgenommen vom Mindestlohn sind so genannte Lageristen, also ausschließlich am Betriebssitz angestellte Arbeitnehmer.

Kontrolle der Regelung schwierig

Beide Tarifpartner gestanden ein, dass eine Kontrolle dieser Regelung allerdings schwierig werden wird. Wie kann man sicherstellen, dass der Arbeitgeber jedem Arbeitnehmer den richtigen der beiden Mindestlöhne zahlt und eine saubere Trennung zwischen qualifizierter und unqualifizierter Arbeit macht? Der Zoll, der in Deutschland die Einhaltung von Mindestlöhnen übernimmt, kann hier nur bedingt tätig werden und nicht in jedem Einzelfall die Zugehörigkeit eines Arbeiters zu einer Lohngruppe festlegen.

„Uns ist bewusst, dass eine Kontrolle des Mindestlohns 2 durch die Zollbehörden nur eingeschränkt möglich ist und die Kontrolldichte nicht unbedingt erhöht wird. Daher war es uns wichtig, eine paritätisch besetzte Kommission der Tarifvertragsparteien einzusetzen, die bis Mitte 2019 die Auswirkungen der zweiten Mindestlohnstufe überprüfen soll. Dies betrifft vor allem die Frage der Kontrollierbarkeit und die Entwicklung der realen Stundenlöhne“, wird ZVDH-Präsident Dirk Bollwerk zitiert.

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AUTOR
Benedikt Falz
VERÖFFENTLICHT AM
21.12.2017
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