Mindestlohn für Azubis geplant


Zum 1. Januar 2020 planen Union und SPD einen Mindestlohn für Lehrlinge. Das Handwerk sieht dies kritisch, da hierdurch die Zahl der Ausbildungsbetriebe sinken könnte.

„Im Rahmen der Novelle des Berufsbildungsgesetzes werden wir eine Mindestausbildungsvergütung im Berufsbildungsgesetz verankern“, schreiben Union und SPD in ihrem gemeinsam ausgearbeiteten Koalitionsvertrag. Bis zum 1. August 2019 solle das Gesetz beschlossen werden und zum 1. Januar 2020 in Kraft treten. Wie hoch diese Mindestausbildungsvergütung sein solle wurde nicht genannt.

Während Gewerkschaften den Vorstoß begrüßen, zeigten sich die Handwerksverbände skeptisch. „Wir sehen die Gefahr, dass einige Betriebe dann nicht mehr ausbilden“, wird Michael Wippler, Präsident des Zentralverbands des Bäckerhandwerks, in der Deutschen Handwerkszeitung zitiert. Die Festlegung der Ausbildungsvergütung solle auch weiterhin Sache der Sozialpartner sein. Dass Geld alleine nicht glücklich macht und nur ein Gesamtpaket aus guter Ausbildung, angemessener Vergütung und klaren Perspektiven junge Leute für die Lehre begeistern kann, zeige auch die Praxis.

Immer weniger Azubis

In vielen Gewerken bleiben trotz insgesamt steigender Lehrlingszahlen viele Ausbildungsplätze unbesetzt. Der Grund hierfür ist klar: In vielen Regionen nehmen die Schülerzahlen ab und immer mehr Jugendliche fangen nach der Schule lieber ein Studium an. Doch wie lässt sich dies ändern und das Handwerk wieder attraktiv machen? Ist der richtige Weg tatsächlich für eine „ordentliche Bezahlung sowohl in der Ausbildung wie später im Beruf“ zu sorgen, wie es Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier Anfang des Jahres bei der Meisterfeier der Handwerkskammer Rhein-Main forderte? „Jedem sei die bestmögliche Bildung gegönnt, aber es hilft der Gesellschaft als Ganzes überhaupt nicht, wenn wir alle Jugendlichen in die akademische Ausbildung drücken“, sagte Steinmeier weiter.

Lehrlinge mit Zusatzleistungen locken

Die Praxis aus den vergangen Jahren hat gezeigt, je schwieriger es die Betriebe mit der Besetzung von Lehrstellen haben, desto höher fielen im Normalfall die Steigerungen der tariflichen Ausbildungsvergütungen aus. Die durchschnittliche Ausbildungsvergütung sei zudem mehrfach stärker angestiegen als der durchschnittliche Tarifverdienst, heißt es bei der Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände. Laut Berechnungen des Bundesinstitutes für Berufsbildung (BIBB) habe das Handwerk in den vergangenen Jahren sogar prozentual mehr draufgelegt als Industrie und Handel. „Dennoch liegt die durchschnittliche Vergütung in Industrie und Handel mit 924 Euro brutto über alle drei Jahre höher als im Handwerk mit 738 Euro brutto“, schreibt die Deutsche Handwerkszeitung.

Dennoch kämen viele Jugendlichen mit der gezahlten Vergütung nicht aus. „Fast jeder dritte Befragte im Handwerk bekommt weniger als 500 Euro netto“, wird DGB-Bundesjugendsekretärin Michaela Conte mit Blick auf den jährlichen DGB-Ausbildungsreport in der Deutschen Handwerkszeitung zitiert. Daher werte sie es als deutlichen Erfolg, dass im Koalitionsvertrag eine Mindestausbildungsvergütung im Rahmen eines novellierten Berufsbildungsgesetzes verankert werden solle.

Qualität ist entscheidend

Neben der Höhe der Vergütung schlagen sich auch die Qualität der Ausbildung sowie die Regelmäßigkeit etwaiger Überstunden auf die schlechte Stimmung und Unzufriedenheit vieler Azubis nieder. „So sind laut DGB-Ausbildungsreport nur 53 Prozent der Fachverkäufer im Lebensmittelhandwerk und knapp 60 Prozent der Bäcker mit ihrer Ausbildung ‚zufrieden‘ oder ‚sehr zufrieden‘, während der Schnitt bei allen abgefragten Handwerksberufen bei knapp 70 Prozent und bei allen Berufen bei knapp 72 Prozent liegt“, meldet die Deutsche Handwerkszeitung. Doch gerade in den Gewerken mit geringer Zufriedenheit seien die Abbruchquoten laut Conte besonders hoch.

Entscheidend für das finden und halten von Auszubildenden seien daher eine fundierte und breit aufgestellte Ausbildung, frühzeitige Transparenz bezüglich möglicher Übernahme- und Karrieremöglichkeiten sowie ein gutes Betriebsklima.

Dies bestätigt auch eine Umfrage der Soka-Bau. Demnach stehen bei Jugendlichen vor allem Spaß am Bauberuf, Perspektiven und privater Nutzen ganz oben bei der Berufswahl. Erst danach folgen die Höhe der Ausbildungsvergütung oder die Wohnortnähe.

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AUTOR
Jan Hell
VERÖFFENTLICHT AM
08.03.2018
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