Helden am Bau
Deine baustellen. Deine infos. DEINE REGION.

Kontroverse um Neubau der Berliner DGB-Zentrale


Einen schicken Neubau im Berliner Stadtteil Schöneberg leistet sich nun der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB): Für 70 bis 80 Millionen Euro entsteht in der Nähe des Wittenbergplatzes ein neues Bürohochhaus, das von Ortner & Ortner Baukunst geplant wird und die Bundeszentrale des DGB beheimaten soll. Auch wenn der jetzige Entwurf des Architektenbüros auf Zustimmung unter Architekten stößt, bemängeln sie doch den Ablauf des Projekts.

Auf dem Gelände der bisherigen Zentrale, die in den frühen 60er Jahren von Wunsch & Mollenhauer geplant worden war und die nun komplett abgerissen werden soll, entsteht an der Kleist- Ecke Keithstraße das neue Gewerkschaftshaus. Einen großen Block an der Straßenecke planen Ortner & Ortner, der mit seinen 14 Stockwerken 350 Arbeitsplätze und eine Geschossfläche von 13.000 Quadratmeter bieten soll. In der Mitte des Neubaus ist ein großes Atrium mit stattlicher Glasfassade vorgesehen, sodass der Bau trotz seiner strengen Linien eine gewisse Leichtigkeit in das Straßenbild bringt.

Doch wie sind Ortner & Ortner eigentlich an den Auftrag gekommen? Weder andere Teilnehmer noch die Jury des Wettbewerbs wurden vom DGB veröffentlicht, was in Architektenkreisen für Aufsehen gesorgt hat. Die meisten dieser Großvorhaben würden mittlerweile mit deutlich mehr Transparenz durchgeführt, argumentiert Autor Stephan Becker auf baunetz.de. Eine derartige Verschwiegenheit werde dem DGB als öffentliche Einrichtung nicht gerecht.

Gleiches gelte auch für die Nachhaltigkeit des Projekts. Eine Sanierung sei nie wirklich in Frage gekommen, obwohl ein Erhalt der Substanz für die Energiebilanz eines Hauses besser sei als Abriss und Neubau. „Einer Gewerkschaft sollte es dahingehend nicht allein um jeden Euro gehen, es zählt auch die Symbolik – nicht zuletzt mit Blick auf das nahe Charlottenburg, wo gerade viele noch gute, günstig vermietbare Nachkriegswohnhäuser zugunsten von schnell hochgezogenen Renditeobjekten verschwinden“, meint Becker.

Das tue dem gelungenen Entwurf von Ortner & Ortner aber keinen Abbruch, betont er. Vor allem die Einbindung des Designs in die teilweise denkmalgeschützte Nachkriegsarchitektur des Viertels funktioniere hervorragend. Und auch dass der DGB eine faire und gute Bezahlung der Arbeitskräfte auf dem Bau verspricht, sollte erwähnt sein. Mit einer Fertigstellung der Zentrale wird frühestens 2020 gerechnet.

Teilen

AUTOR
Benedikt Falz
VERÖFFENTLICHT AM
22.08.2017
Das könnte Sie auch interessieren