Gericht: Kunde muss Handwerker-Bedenken ernst nehmen


Wenn ein Handwerker Zweifel ordnungsgemäß anmeldet, aber der Auftraggeber nicht reagiert, ist der Handwerker von der Mängelhaftung befreit, so ein Urteil aus Stuttgart.

Hat ein Handwerker Bedenken an der Umsetzung einer geplanten Maßnahme, muss er dies dem Auftraggeber frühzeitig mitteilen. Wenn der Kunde dazu aber schweigt, muss der Handwerker später nicht mehr für eventuelle Schäden am Werk haften, entschied nun das Oberlandesgericht Stuttgart.

Der Fall: Bodenbelag löst sich

Verhandelt wurde ein Fall, bei dem ein Handwerker eine Schule sanieren sollte, vor allem den Bodenbelag. Dieser sollte auf alten Spachtelmassenschichten verlegt werden. Der Handwerker meldete sich frühzeitig und teilte mit, dass es auf so altem Untergrund Probleme mit dem neuen Boden geben könnte. Der Bauherr reagierte hierauf aber nicht.

Es kam, wie es kommen musste: Der Handwerker ging seiner weiteren Arbeit nach und verlegte den Belag wie ursprünglich geplant. Die Folge waren Blasen und Risse im neuen Boden, der sich teils sogar ganz löste. Für den Bauherren ein klarer Fall, er forderte eine kostenlose Behebung des durch den Handwerker ausgelösten Mangels auf Grundlage der bekannten Mängelhaftung.

Das Urteil: Kunde ist schuld

Im darauffolgenden Rechtsstreit argumentierte der Handwerker, er habe früh genug Mängel angemeldet und könne daher keine Haftung tragen. Das Gericht gab ihm recht, denn das Problem sei dem Kunden bekannt gewesen. Der Bauherr habe eine Pflicht, dem Handwerker zuzuhören und bei ernsthaften Bedenken auch eine Änderung der Planung einzuleiten. Sollten dadurch Mehrkosten entstehen, habe der Kunde diese zu tragen.

Aus diesem Urteil lässt sich auch eine Anweisung an Handwerker schließen: Frühzeitiges – und am besten schriftliches – Äußern kann viele Sorgen ersparen. Äußert sich der Kunde zu den Bedenken aber gar nicht, muss der Handwerker nicht für die Mängelbehebung aufkommen.

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AUTOR
Benedikt Falz
VERÖFFENTLICHT AM
29.06.2018
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