Gefährdet die Digitalisierung Arbeitsplätze im Handwerk?

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Wer intelligente Technik hat, braucht keinen Handwerker mehr? Falsch gedacht – automatische Maschinen nehmen den Profis zwar immer mehr Arbeit ab, aber nicht den Job.

Auch wenn Martin montagsmorgens als Erster in der Werkstatt steht, sein unverzichtbarer Helfer ist mit Sicherheit schon da: Die große Holzfräse ist die wichtigste Maschine in seiner Möbeltischlerei. Das Gerät verfügt über neueste Technik, funktioniert über CNC-Pläne und lässt sich ganz automatisch per Knopfdruck an Martins Computer bedienen. Wenn er die Fräse richtig programmiert hat und das Gerät erst einmal loslegt, hat Martin Ruhe – und kann sich weiteren Projekten widmen.

Man sieht: Auch wenn sich das Arbeitsleben in den letzten Jahren durch Digitalisierung und Automatisierung verändert hat, haben Handwerker wie Martin weiterhin einen Job. Denn in erster Linie sind die neuen Erfindungen keine Jobkiller, sondern erleichtern das tägliche Arbeiten. Hersteller, Forscher und Journalisten werfen gern mit Begriffen wie „intelligente Technik“ und „automatisierte Produktion“ um sich, doch erst in der Praxis zeigen sich die Vorteile. Dem Handwerker vor Ort werden körperlich anstrengende Arbeiten abgenommen, das Fehlerrisiko minimiert sich, der Betrieb macht Gewinne.

Die Werkstatt ist immer online

Dabei versteht es sich mittlerweile von selbst, dass der Betrieb, seine Mitarbeiter und auch die Maschinen eine Verbindung ins Internet haben und sich hier Informationen für die Arbeit beschaffen können. Im Falle von Martins Tischlerei sind es beispielsweise CNC-Pläne für die Fräse, die er einfach herunterlädt und ins System der Maschine einspeist. Warum braucht der Betrieb dann noch einen ausgebildeten Tischler? „Weil nur wir in der Ausbildung lernen, wie man richtig mit den Maschinen, mit dem Holz und allen Behandlungsstoffen umgeht“, erklärt Martin. Für ihn bedroht die Digitalisierung nicht das Handwerk, sie bringt es in die Zukunft.

Gleiches gilt auch für das Building Information Modeling (BIM), das in aller Munde ist: Gleich neben Martins Büro arbeiten seine Kollegen in der Fensterwerkstatt, da sein Betrieb auch Teile für hölzerne Fensterrahmen fertigt. Vor ein paar Jahren war BIM für sie das absolute Fremdwort, mittlerweile geht es nicht mehr ohne. Wenn ein Gebäude beim Architekten oder Ingenieur digital entworfen wird, werden die Fenster gleich mitgeplant. Die benötigten Rahmen landen per digitaler Bestellung direkt in der Tischlerei, somit gehen keine Produktdaten verloren und die Fenster passen später wie gegossen ins neue Einfamilienhaus.

Die Industrie denkt mit

Was sich im Handwerk langsam durchsetzt, ist in der Industrie schon längst angekommen. Die großen Hersteller wollen kleine Betriebe in Sachen Digitalisierung aber nicht ausstechen, sondern ihnen unter die Arme greifen: Mit einem reichhaltigen Angebot an digitalen Plänen, kostenloser Software und immer mehr Kundendienstmitarbeitern will die Industrie auch das Handwerk dazu bringen, auf den Online-Zug mit aufzuspringen. Die Hersteller versprechen sich davon mehr Effizienz und Genauigkeit bei der Verarbeitung ihrer Produkte, das Handwerk kann sich dagegen an der kostenlosen Service-Palette bedienen und selbst seine Vorteile daraus ziehen.

In Martins Werkstatt arbeitet man mit dem Kundensystem des österreichischen Herstellers Blum, der sich auf Möbelbeschläge spezialisiert hat. Blum bietet seine Produktdaten für Handwerker völlig kostenlos im Netz an, und zwar im Rahmen der CAM-Technik (Computer-aided manufacturing, dt. rechnerunterstützte Fertigung). CAM-Daten werden dann gebraucht, wenn fertige Pläne direkt vom Hersteller in die Maschine vor Ort fließen sollen, wie es bei Martins Fräse der Fall ist. Vor kurzem hat Blum deshalb einen Datenservice für CAM- und CAD-Daten eingerichtet, bei dem sich Handwerker ihre benötigten Datensätze sofort aus dem Netz ziehen können.

Ungenaue oder unvollständige Pläne gehören damit der Vergangenheit an. In einer Online-Vorschau sucht sich der Verarbeiter einfach den benötigten Plan heraus, lädt ihn herunter und speist ihn in die Maschine ein. Martin kann sich mit seinem geschulten Auge sogar vorher ein maßstabsgetreues 3D-Modell des Werkstücks ansehen, und bei Nachfragen steht ihm ein großer Mitarbeiterpool für jegliche Fachfragen bereit. Auf diese Weise unterstützt Blum den Trend zu mehr Digitalisierung und Vernetzung bei der Herstellung von Möbeln.

Weitere Informationen zum E-Services-Angebot von Blum können hier.

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AUTOR
Benedikt Falz
BILD
Blum
VERÖFFENTLICHT AM
08.05.2018
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