Erfolglose Mindestlohn-Verhandlungen im Bauhauptgewerbe


Die Verhandlungen zur Mindestlohntarifrunde im Bauhauptgewerbe gehen am 20. September 2017 in Berlin in die nächste Runde. Es bleibt abzusehen, ob sich die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG Bau) und der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB) sowie der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes (ZDB) diesmal einig werden. Die letzten Verhandlungen am 15. August 2017 blieben jedenfalls ohne Ergebnis.

So erklärte der Verhandlungsführer der Arbeitgeber, Dipl.-oec. Andreas Schmieg, Vizepräsident des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie, in einer Pressemeldung auf der Homepage des ZDB: „Nach intensiven Verhandlungen konnte keine Einigung erzielt werden. Es gibt weiter erhebliche Differenzen, insbesondere über die Struktur, also Anzahl, zukünftiger Bau-Mindestlöhne.“

Der stellvertretende IG-Bau-Vorsitzende und gleichzeitiger Arbeitnehmervertreter Dietmar Schäfers warf den Verhandlungspartnern hingegen nicht verhandlungsfähige Vorstellungen vor: „Sie wollen den Mindestlohn für Facharbeiter im Westen abschaffen. Das ist widersprüchlich und überhaupt nicht nachvollziehbar. Sie selbst klagen doch ständig über Fachkräftemangel und eine Dumpingkonkurrenz vor allem aus Süd- und Osteuropa. Trotzdem wollen sie in Kauf nehmen, dass Facharbeiter, die keinen Tariflohn erhalten, noch schlechter bezahlt werden“, wird Schäfers auf der Homepage der IG Bau zitiert.

Nach Auffassung der IG Bau entstünde dadurch eine ähnliche Situation wie im Osten, wo viele Facharbeiter für den gleichen Mindestlohn wie Ungelernte arbeiten, obwohl sich der höhere Mindestlohn im Westen schon längst bewährt hätte.

„Der Branchenmindestlohn ordnet den Wettbewerb. Daran sollten sich die Arbeitgeber erinnern. Vor seiner Einführung Mitte der 1990er Jahre haben wir doch gesehen, wohin ein Wettbewerb über Lohndrückerei führt. Damals wurde der Markt von Dumpingfirmen aus dem EU-Ausland überrannt. Inländische Betriebe konnten da nicht mithalten“, so Schäfers.

Aus diesem Grund fordert die IG BAU zwei Mindestlöhne für das gesamte Bundesgebiet: Einen für Facharbeiter und einen für ungelernte Kräfte. Erstere sollen dabei 80 Prozent des Tariflohns für Spezialfacharbeiter bekommen (dies entspricht einer Steigerung von derzeit 14,70 Euro auf 15,60 Euro), letztere 80 Prozent des Mindestlohns für Facharbeiter (was einer Steigerung von 11,30 Euro auf 12,50 Euro entspricht).

Hier gehen die Vorstellungen der Verhandlungspartner allerdings weit auseinander. So schlägt die Arbeitgebervertretung über drei Jahre Laufzeit eine jährliche Erhöhung von 25 Cent pro Stunde vor. Inakzeptabel für Schäfers. Er wolle einen fairen Wettbewerb, der es den Mitgliedern der Arbeitgeberverbände weiterhin ermöglicht, für gute Arbeit auch gute Tariflöhne zu kalkulieren und zu zahlen.

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AUTOR
Jan Hell
VERÖFFENTLICHT AM
11.09.2017
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