Auf Baustellen gibt es zahlreiche Unfälle. Um gefährliche Unfälle zu minimieren, gibt es die Helmpflicht. Doch wann muss ein Helm getragen werden?

Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung hat allein in 2019 44.200 meldepflichtige Arbeitsunfälle mit Kopfverletzungen (Augenverletzungen ausgenommen) sowie 91 tödliche Unfälle registriert. In einigen Fälle hätte ein Helm schlimmeres verhindern können, an manchen Unfallorten bestand sogar Helmpflicht, doch es wurde sich darüber hinweggesetzt. Es gibt keine generelle Verordnung darüber, wann das Tragen eines Schutzhelmes verpflichtend ist. Letztendlich legt dies der Arbeitgeber fest. Im Rahmen einer Gefährdungsbeurteilung nach Paragraph 4 und 5 Arbeitsschutzgesetz muss dieser mögliche Gefahren ermitteln und entsprechende Schutzmaßnahmen umsetzen. Ist es nicht möglich, die Gefahren durch technische oder organisatorische Maßnahmen zu vermeiden, muss der Arbeitgeber seinen Mitarbeitern eine entsprechende Schutzausrüstung zur Verfügung stellen. In den berufsgenossenschaftlichen Regeln GUV-R 193 „Benutzung von Kopfschutz“ werden folgende Punkte zur Gefährdungsbeurteilung empfohlen: Gefahr entsteht durch herabfallende, pendelnde, umfallende oder wegfallende Gegenstände sowie durch den Anstoß an Gegenstände. Dementsprechend wird das Fazit sehr häufig so ausfallen, dass eine Helmpflicht besteht. Der Arbeitgeber muss diese kostenfrei zur Verfügung stellen und die Arbeitnehmer sind dazu verpflichtet, die Schutzausrüstung bestimmungsgemäß zu verwenden.

Welcher Helm und wie lange kann er genutzt werden?

Für die Arbeit auf der Baustelle kommen nach DIN EN 397 und EN 14052 zwei Arten von Schutzhelmen in Frage, wobei Industrieschutzhelme nach DIN EN 397 zu den Gängigsten gehören. Welcher Helm getragen werden muss, geht aus der Gefährdungsbeurteilung hervor. Die „Haltbarkeit“ eines Helmes beträgt bei solchen aus thermoplastischem Kunststoff vier Jahre. Handelt es sich um einen dieser Stoffe befindet sich eine der Kennzeichnungen PE, PC, ABS, HDPE, PP, PP-GF oder PC-GF an der Unterseite des Helmschilds. Helme aus duroplastischem Kunststoff sind durch PF-SF oder UP-GF markiert und müssen nach acht Jahren ausgetauscht werden. Nach einem harten Schlag oder sichtbaren Schäden müssen Helme grundsätzlich ersetzt werden. Zwischendurch sollte immer mal ein Knacktest durchgeführt werden, um den Zustand des Helmes grob einschätzen zu können. Dafür drückt man, bei aufgelegtem Ohr, die Helmschale mit den Händen seitlich leicht ein oder biegt den Schirm leicht. Hört man Knister- oder Knackgeräusche, sollte der Helm nicht mehr verwendet werden. Paragraph 15 des Arbeitsschutzgesetztes regelt, dass Arbeitnehmer ihre Helme selbstständig auf Schäden überprüfen müssen, nachdem sie vor der ersten Benutzung unterwiesen wurden, wie man Schäden erkennt, den Helm richtig trägt, anpasst und aufbewahrt.

Kopfschmerzen befreien nicht von der Helmpflicht

Von der Helmpflicht kann man selbst durch ein Attest nicht befreit werden. Bekommt man durch einen schlecht oder eng sitzenden Schutzhelm Kopfschmerzen, muss der Dialog mit dem Arbeitgeber gesucht werden, um einen besser geeigneten Helm zu erbitten. Bei Helmen muss auf eine gute Passform und ein möglichst geringes Gewicht geachtet werden. Zu empfehlen ist ein Verstellmechanismus mit Drehverschluss, da dieses gegenüber einrastenden Verschlüssen den Vorteil hat, dass die Innenausstattung stufenlos eingestellt werden kann. Auch ein Schweißleder ist von Vorteil, weil der Helm trotz engem Sitz angenehmer zu tragen ist. Die Einhaltung der Helmpflicht wird in Deutschland dual kontrolliert. Mitarbeiter der BG BAU und Vertreter der Landesämter für Arbeitsschutz sind dazu auf den Baustellen unterwegs. Sie kontrollieren unangekündigt im Betrieb oder auf den Baustellen. Bei Zuwiderhandlung der Helmpflicht können Bußgelder von mehreren Tausend Euro fällig werden.