Am Bau verunglücken mindestens doppelt so viele Beschäftigte, wie in fast allen anderen Branchen. Viele Unfallursachen sind leicht zu verhindern.

Allein im Jahr 2019 verunglückten laut Angaben der Berufsgenossenschaft Bau (BG Bau) 106.774 Beschäftigte, davon 70 tödlich. Die häufigste Todesursache waren Abstürze, danach folgten tödliche Unfälle durch herabfallende und kippende Teile. Doch woran liegt das? Einige der Gründe sind der unmittelbare Einfluss von Witterungen, der große Termindruck und der Umgang mit vielen unterschiedlichen Gefahrstoffen. Zudem wird es immer schwieriger, die Arbeit auf Baustellen zu koordinieren. Viele Arbeiten werden von dritten Unternehmen ausgeführt, sodass viele Akteure beteiligt sind. Dazu kommen Kommunikationsschwierigkeiten mit Arbeitskräften, die gegebenenfalls nur für die Dauer der Arbeit in Deutschland sind. Doch muss auch festgehalten werden, dass die Zahl der Unfälle seit den 90er Jahren rapide gesunken ist. Damals waren noch bis zu 400 Todesfälle im Jahr beklagt. Insbesondere die Baustellverordnung (BaustellV), die 1998 in Kraft trag und eine Umsetzung der EU-Richtlinien darstellt, hat für eine starke Verbesserung der Situation gesorgt. Um die Arbeit am Bau noch sicherer zu machen, ist es wichtig, sich vor Augen zu führen, welche Situationen besonders gefährlich sind. Dabei lassen sich vier Unfallherde ausmachen.

Erd- und Aushubarbeiten

Direkt zu Beginn der Arbeit auf einer Baustelle wird es gefährlich. Wenn die Baugrube ausgehoben wird, müssen vor allem zwei Dinge beachtet werden: Dass keine Energieversorgungsleitungen durch Unaufmerksamkeit beschädigt werden und dass die Grabenwände nicht einstürzen. Um letzteres zu verhindern, muss auf die Festigkeit der Grabenwände geachtet werden. Diese hängt unter anderem von der Bodenart, dem Böschungswinkel, dem Bodengefüge, dem Zufluss von Oberflächen-, Grund- oder Schichtenwasser sowie dem Verkehr ab.

Absturz und herabfallende Gegenstände

Um Unfälle am Bau zu verhindern, ist die Absturzsicherung unerlässlich, sowohl von Beschäftigten, als auch von Gegenständen. Dafür empfehlen sich Fanggerüste, Auffangnetze oder Schutzwände (Seitenschutz). Das sichere Auf-, Um- und Abbauen ist Aufgabe des Gerüstherstellers, aber das entbindet die anderen Unternehmen nicht davon, im Laufe der Verwendung Sichtprüfungen durchzuführen und entdeckte Mängel unverzüglich dem Gerüstersteller zu melden.

Gefahrstoffe

Ist ein chemischer Stoff in irgendeiner Weise gefährlich, wird er mit dem entsprechenden Gefahrstoffsymbol vom Hersteller gekennzeichnet. In der Regel sind diese Symbole alle ähnlich aufgebaut: Eine rot umrandete Raute mit einem schwarzen Zeichen auf weißem Grund. Doch sie können vieles verschiedenes bedeuten, so zum Beispiel „Giftig bei Hautkontakt“ oder „Umweltschädlich“. Da am Bau mit vielen verschiedenen Gefahrstoffen gearbeitet wird, ist es unerlässlich, diese Symbole zu kennen und vor dem Gebrauch eines Stoffes zu prüfen.

Elektrische Anlagen, Geräte und Maschinen

Unfälle mit Maschinen haben viele verschiedene Ursachen. Beispielsweise können die Geräte beschädigt sein, Reparaturen an ihnen wurden fehlerhaft ausgeführt, sie wurden übermäßig beansprucht oder sind feucht oder verschmutzt. Eine häufige und leicht zu verhindernde Ursache ist allerdings, dass Maschinen falsch benutzt werden und die Sicherheitsvorschriften nicht ausreichend oder konsequent genug ausgeführt werden.

Sonnenschutz

Auch wenn die Sonne kein Unfallherd im klassischen Sinne ist, ist es wichtig, sich immer vor Augen zu führen, dass weißer Hautkrebs die am häufigsten angezeigte Berufskrankheit in der Bauwirtschaft ist. Allein 2018 wurden der BG BAU 2.944 neue Verdachtsfälle gemeldet. Oft wird die Gefahr, die von Sonneneinstrahlung ausgeht, vernachlässigt, was vermutlich daran liegt, dass die Folgen nicht unmittelbar sichtbar sind. Dabei ist diese Krankheit verhältnismäßig leicht zu umgehen. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, die Sie in diesem Artikel nachlesen können: Was Arbeitgeber gegen Hitzekrankheiten machen können.