Nach gescheiterten Tarifverhandlungen im Bauhauptgewerbe musste der Präsident des Bundessozialgerichts als Schlichter vermitteln. Geplant sind unter anderem Lohnerhöhungen.

Mittlerweile haben alle an den Verhandlungen beteiligten Parteien den Schlichterspruch angenommen. Auf der Arbeitgeberseite sind das der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes (ZDB) und der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB). Auf Arbeitnehmerseite hat die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) eingewilligt.

Lohnerhöhungen und Corona-Prämien

Die Gehälter der Beschäftigten im Tarifgebiet West sollen nach dem Schlichterspruch um 2,6 Prozent steigen, während im Osten 2,7 Prozent vorgesehen sind. Zudem wurde sich auf eine einmalige „Corona-Prämie“ über 500 Euro geeinigt, die sowohl steuer- als auch sozialabgabefrei ist. Auch Auszubildende erhalten eine Prämie von 250 Euro. Zudem können sich Auszubildende über eine Erhöhung der monatlichen Vergütung freuen. Im ersten Lehrjahr erhalten sie 40 Euro mehr, im zweiten 30 Euro und im dritten 20 Euro. Schon jetzt gehören Auszubildende am Bau zu den Bestverdienern unter den Auszubildenden. Mit dieser Erhöhung haben sie innerhalb der drei Jahre 1.080 Euro mehr auf dem Konto.

Die IG BAU gibt sich nicht mit den Einigungen zur Wegezeiten-Entschädigung zufrieden

Die IG BAU sieht den Abschluss als einen „Tarifabschluss, der Perspektiven bringt“. Die Tariflaufzeit bis kommenden Juni soll vor allem dafür genutzt werden, eine Lösung für die Wegezeiten-Entschädigung zu finden. Bis dahin gilt zunächst ein Zuschlag in Höhe von 0,5 Prozent des Tariflohns zur pauschalen Entschädigung von Wegezeiten und –strecken. IG BAU-Chef Robert Feiger betrachtet diese erste Errungenschaft in einer bereits Jahre anhaltenden Debatte als „Meilenstein“, doch sei sie erst ein Einstieg, dem „ganz klar weitere Schritte folgen müssen“. Carsten Burckhardt ist im Bundesvorstand der IG BAU für das Bauhauptgewerbe zuständig. „Die Wegezeit-Entschädigung brennt den Baubeschäftigten auf den Nägeln. Ihre Einsatzorte wechseln ständig – die Pendeldauer zur Baustelle ist für sie nie absehbar. Das alles entscheidet allein der Chef. Die umsonst geleistete Wegezeit rangiert bei der Unzufriedenheit von Baubeschäftigten ganz oben“, erklärt er.