Ist der Tunnel zwischen Dänemark und Fehmarn eines der wichtigsten europäischen Infrastruktur-Projekte oder die größte Umweltsünde im Ostseeraum?

Der 18 Kilometer lange Tunnel soll ab 2029 die deutsche Insel Fehmarn mit Dänemark verbinden. Eine vierspurige Autobahn und eine zweigleisige Bahnstrecke sind geplant. Doch sind die Folgen für die Umwelt vielen zu hoch. Dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig liegen sieben Klagen gegen die Baugenehmigung vor und am 22. September soll der Verhandlungsmarathon starten.

Der Lebensraum unzähliger Tiere würde bedroht

„Der Bau des Tunnels wäre eine ökologische Katastrophe“, warnt Kim Detloff, Meeresschutz-Experte des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu). „Dadurch werden wertvolle Riffe direkt auf und an der Trasse zerstört, und der Baulärm wird die Schweinswale aus ihrem Schutzgebiet im Fehmarnbelt vertreiben.“ Malte Siegert vom Nabu Schleswig-Holstein verweist auf den mangelnden Bedarf. „Im Planfeststellungsbeschluss ist von gerade mal 12.000 Fahrzeugen täglich die Rede, die sich der Vorhabenträger auch noch mit dem Fährbetreiber Scandlines wird teilen müssen“, sagt er. Dafür würde in Deutschland nicht mal eine Ortsumgehung gebaut. Auch das Aktionsbündnis gegen eine feste Beltquerung klagt gegen die Baugenehmigung, die Schleswig-Holstein 2019 erteilt hat.

Der Tourismus würde durch die Langzeit-Baustelle einbrechen

Tunnel-Gegner geben auch zu bedenken, dass der Bau gravierende Auswirkungen auf den Tourismus haben wird. „Fehmarn wird für viele Jahre eine Großbaustelle sein, wo kein Mensch mehr Urlaub machen möchte.“, warnt Karin Neumann von der Initiative Beltretter. Bereits im April 2015 hat das dänische Parlament ein Baugesetz auf Basis einer Umweltverträglichkeitsstudie verabschiedet. Im Rahmen der Anhörung waren nach Angaben des Kieler Verkehrsministeriums in Dänemark 41 Stellungnahmen von Behörden, Interessenverbänden, Unternehmen und Bürgern eingegangen – in Deutschland gab es mehr als 12.000 Einwendungen. Neben dem Nabu klagen auch zwei Fähr-Reedereien, ein Landwirt und Kommunen gegen das Projekt. Die Stadt Fehmarn wendet sich dagegen, von Beginn der Bauarbeiten an für den Brandschutz im deutschen Teil des Tunnels zuständig zu sein.

1,3 Millionen Menschen profitieren von dem Tunnel

„Der Fehmarnbelt-Tunnel wird der weltweit längste Absenktunnel für den kombinierten Schienen- und Straßenverkehr werden“, sagt Denise Juchem von der dänischen Femern A/S, die für den Bau und den Betrieb des Tunnels zuständig ist. Die Kosten für Planung, Bau und Betrieb werden auf 7,4 Milliarden Euro geschätzt und von Dänemark getragen. Für die Straßen- und Schienenanbindung des Tunnels auf deutscher Seite muss die Bundesrepublik aufkommen, diese Kosten werden auf 3,5 Milliarden Euro geschätzt. Grundlage für den Bau ist der im September 2008 unterzeichnete Staatsvertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und dem Königreich Dänemark. Doch bereits seit 1940 gibt es erste Überlegungen, sowohl den Fehmarnsund als auch den Fehmarnbelt mit Brücken zu überqueren. Das Fehmarnbelt ist der Meinung, dass 1,3 Millionen Menschen zwischen Lübeck und der dänischen Region Sjaelland von dem Bau profitieren würden.

Ein Baustein für die europäische Integration

Für die Befürworter, die überwiegend aus Reihen der Wirtschaft kommen, ist die feste Beltquerung mehr als ein Infrastrukturprojekt „Sie ist ein Baustein für die weitere europäische Integration in derzeit für Europa herausfordernden Zeiten“, sagt Arno Probst, Vorsitzender des Fehmarnbelt Business Council (FBBC), eines Zusammenschlusses von elf Wirtschaftsverbänden aus Norddeutschland, Dänemark und Südschweden. Das Projekt wird von der EU-Kommission als prioritär eingeschätzt und als Teil des Transeuropäischen Verkehrsnetzes betrachtet.