Universitäten sind ein Paradies für Viren und sonstige Krankheitserreger. Besonders in kreativen Studiengängen ist die Online-Lehre ein Problem.

In überfüllten Hörsälen hocken Studierende eng an eng auf dem Boden, weil wieder einmal zu viele für eine Veranstaltung zugelassen wurden, pünktlich um viertel vor strömen Tausende aus den Räumen in enge Flure, in Bibliotheken sitzt man teilweise stundenlang nebeneinander und viele Studierende pendeln aus ihrem Elternhaus, bringen Viren mit, sammeln und verteilen sie in Zug und Uni, und nehmen sie später wieder mit nach Hause. Als sich also herausstellte, dass Corona nicht nur eine exotische Krankheit irgendwo ganz weit weg ist, sondern zu einer weltweiten Pandemie wird, wurden die Unis geschlossen und auf Online-Lehre umgesattelt. Aber was bedeutet das für Lehrende und Lernende? Vor allem in kreativen und praktischen Studiengängen wie Architektur?

3D in der Telekonferenz?

Das Architekturstudium lebt vom Konzipieren, Skizzieren und Modellieren.  Lehrende und Studierende tauschen sich verbal, unter Zuhilfenahme von Text, anhand von Zeichnungen und Modellen über Entwürfe aus. Und spätestens bei den 3D-Modellen sind wir an den Grenzen der online-Lehre angelangt. Eine Befragung internationaler Lehrender zeigt, wie schwer es ist, über Telekonferenzen zu unterrichten. Aber erhöhter Zeitaufwand und Kopfschmerzen durch das stundenlange Starren auf Bildschirme sind nicht das einzige Problem. Viele Studierende haben keinen ausreichenden Zugang zum Internet, können deswegen ihre Kameras nicht anschalten oder werden mitten im Meeting rausgeworfen. Aber nicht nur der Austausch zwischen Lehrenden und Studierenden leidet und wird von einem situativ-räumlichen Gespräch zu einer formalen Mail, auch die Studierenden untereinander können sich nur noch erschwert austauschen. Und auch das außeruniversitäre Leben der Studenten ist ins Wanken geraten: Viele müssen nebenbei arbeiten, um sich ihr WG-Zimmer leisten zu können, aber die typischen Studentenjobs, wie Kellnern oder im Kino an der Kasse sitzen, werden im Moment nicht gebraucht.