Trotz voller Auftragsbücher erlebt das Handwerk zur Zeit eine Revolution. Verarbeiten reicht nicht mehr aus – Beratung und Verkauf werden langsam zum Standard.

Neben der Freude bringen die derzeit vollen Auftragsbücher im Handwerk auch eine Herausforderung mit sich. So sind nur jene Betriebe langfristig erfolgreich, die mit der Zeit gehen und ihren Kunden fortlaufend die besten Lösungen anbieten können. Die Erwartungen der Kundschaft reichen mittlerweile über die rein handwerkliche Arbeit hinaus: eine fachmännische Beratung, die Vorstellung innovativer Ideen und der Verkauf zählen mehr und mehr zu den Aufgaben eines jeden Handwerkbetriebs. Die Rede ist von einem sogenannten „Handwerk 2.0”. Mit diesem Wunsch kommt auf die Betriebe allerdings eine große Aufgabe zu, die die meisten gar nicht stemmen können. So fehlt es vielen selbst an Knowhow oder die Hersteller bieten nicht genug Innovationen, die die Handwerker an ihre Kunden weitergeben können.

Entwicklung zur Zweiklassen-Gesellschaft

Nimmt diese Entwicklung weiter ihren Lauf, führt das zu einer Zweiklassen-Gesellschaft im Handwerk – auf der einen Seite die Betriebe, die im Baumarkt einkaufen gehen, preisgünstige und gleichzeitig gering qualifizierte Arbeiter einsetzen, um nur einfache Arbeiten auszuführen. Auf der anderen Seite jene Betriebe, die Fachkompetenzen, Kreativität und lösungsorientierte Leistungen anbieten. Um diese Gruppe zu unterstützen, müssen Hersteller und Handel mitarbeiten. So müssen die Hersteller sicherstellen, dass sie wieder mehr Spezialprodukte und Innovationen anbieten. Auch das Fachpersonal im Handel muss über fundiertes Fachwissen verfügen, um Handwerksbetriebe optimal beraten zu können. Immer weniger Verkäufer können dieses Praxiswissen aufweisen.