Nachdem die Tarifverhandlung im Bauhauptgewerbe in drei Verhandlungsrunden ergebnislos verlief, wurde sie nun endgültig für gescheitert erklärt.

Unstimmigkeiten zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebern über Forderungen, die auf dem Tisch liegen, führten letztendlich dazu, dass man sich nicht einig wurde. So forderte die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG Bau) in der letzten Tarifverhandlung Ende August einen Lohnzuwachs von 6,8Prozent beziehungsweise von mindestens 230 Euro monatlich. Die Arbeitnehmervertreter forderten darüber hinaus 100 Euro monatlich mehr für Azubis aller Ausbildungsjahrgänge sowie eine Entschädigung der Wegzeit für den benötigten Zeitaufwand zum Erreichen der oft weit voneinander entfernten Baustellen.

Gewerkschaft wirft Arbeitgebern „Blockadehaltung“ vor

Die IG Bau geht mit diesen Forderungen jetzt in das Schlichtungsverfahren der Tarifverhandlung. Das Bauhandwerk und die Bauindustrie legten bisher kein Angebot vor. IG Bau-Chef Robert Feiger sieht darin eine klare „Blockadehaltung“. In den Forderungen der Gewerkschaft bezieht sich diese auf Angaben des Statistischen Bundesamtes (Destatis). So steigerte das Bauhauptgewerbe den Umsatz zwischen Januar und Mai 2020 um 7,1 Prozent. Außerdem stieg die Zahl der Beschäftigten bei Betrieben über 20 Beschäftigten um 4,1 Prozent. „Mit diesen Zahlen kann es Bauunternehmen gar nicht schlecht gehen. Und das in der Zeit der Corona-Pandemie“, zitiert die Gewerkschaft ihren Bundesvorsitzenden Robert Feiger. Die jetzt anstehende Schlichtung bezeichnete er als letzte Chance, eine „Herbst-Blockade auf dem Bau“ zu verhindern.

Arbeitgebervertreter verweisen auf Auftragsrückgänge

In der gemeinsamen Erklärung des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie (HDB) und des Zentralverbands des Deutschen Baugewerbes (ZDB) verweisen beide Arbeitgeberverbände auf ein „äußerst schwieriges Umfeld“, in der die jetzt vorerst gescheiterte Tarifverhandlung stattfindet. Gründe dafür seien vor allem der während der Pandemie eingeschränkte Zugang zu Materialien und Behörden, die einzuhaltenden Hygieneregeln und Auftragsrückgänge. So sei die Zahl der Auftragseingänge zwischen Januar und Mai gegenüber dem Vorjahreszeitraum um zwei Prozent zurückgegangen, für 2020 rechnen die Verbände maximal mit einem Nullwachstum.

Argumente gegen Lohnsteigerung und Wegzeitvergütung

Der Verband Baugewerblicher Unternehmer Niedersachsen und der Bauwirtschaft Baden-Württemberg verwiesen darauf, dass sich der Tariflohn im Baugewerbe in den letzten 30 Jahren mehr als verdoppelt habe und in den letzten zehn Jahren um 30 Prozent angestiegen sei. Mit 20,63 Euro pro Stunde liege der Gesellenlohn eines Bauarbeiters deutlich höher als beispielsweise der von Elektrikern (15,71 Euro/Stunde) oder Lackierern (17,15 Euro/Stunde). Auch eine Wegzeitvergütung sehen die Vertreter als wenig sinnvoll. Dazu gebe es schon lange Regelungen im Tarifvertrag, argumentierten sie. Die Bauwirtschaft Baden-Württemberg verwies als Beleg für das Engagement der Arbeitgeberseite, um den Beschäftigten gute Arbeitsbedingungen zu bieten, unter anderem auf „faire Löhne für alle Baubeschäftigten mit etlichen Zusatzleistungen“.