Wer kann, flüchtet sich in einen Raum mit Klimaanlage, oder am besten direkt in den Pool. Aber zahlreiche Arbeitnehmer am Bau können das nicht.

Fassadenarbeiter, Dachdecker, Straßenbauer und viele andere Berufsgruppen am Bau müssen selbst dann noch in der Sonne schuften, wenn die Temperaturen über die 30 Grad-Marke klettern. Das dämpft nicht nur die Motivation, sondern kann auch lebensgefährlich werden. In den vergangenen Jahren gibt es immer mehr Hitzetote und wer mit Kopfschmerzen, Übelkeit oder Schwindelgefühlen schwere Maschinen bedient, gefährdet nicht nur sein eigenes Leben. Nicht ohne Grund ist weißer Hautkrebs die häufigste Berufskrankheit am Bau. Aber was kann man als Arbeitgeber machen, um seine Arbeitnehmer motiviert und vor allem gesund zu halten?

Arbeitszeiten anpassen

Ein generelles Recht auf Hitzefrei besteht für Arbeiter auf dem Bau nicht. Aber es empfiehlt sich, an besonders heißen Tagen auch mal ein Auge zuzudrücken und die Beschäftigten etwas früher nach Hause zu schicken.

Am heißesten ist es immer am späten Nachmittag, zwischen 16 und 17 Uhr, die höchste UV-Strahlung wird aber schon zwischen 11 und 15 Uhr erreicht. Das heißt, dass Arbeiten in der Sonne dringend am Vormittag oder Morgen erledigt werden sollten und wenn dies im Einzelfall nicht möglich ist, sollte die Arbeit zwischen vielen Schultern aufgeteilt werden: Eine kurze Zeit die Arbeit in der Sonne erledigen und dann vom nächsten abgelöst werden und ab in den Schatten.

Bei dieser Hitze ist es auch wichtig, dass man seinem Körper mehr Pausen gönnt. Immer wieder zwischendurch eine kurze Pause, in den Schatten setzen und ein paar Schlucke trinken. Auch, wenn der Arbeitnehmer so insgesamt eventuell weniger arbeitet, wird er am Ende des Tages mehr geschafft haben und vor allem auch in ein paar Jahren noch körperlich dazu in der Lage sein. Auch ist wichtig zu beachten, dass der Hochsommer nicht die Zeit ist, in der Überstunden aufgebaut werden sollten, lieber im Gegenteil.

Wie wäre es also mit einem gemeinsamen Grillfest am späten Nachmittag? So schützen Sie ihre Arbeitnehmer nicht nur vor Hitzekrankheiten, sondern polieren das Gemeinschaftsgefühl noch etwas auf, was bekanntlich sehr gut für die Arbeitsmoral und -motivation ist. Alternativ kann auch die Mittagspause hin und wieder etwas ausgedehnt werden, um gemeinsam ein alkoholfreies Bier zu trinken, denn dieses ist isotonisch – das heißt, dass die Mineralien und Nährstoffe im Getränk schneller aufgenommen werden.

Schatten spenden

Am einfachsten ist es, das Material, das noch zugeschnitten wird, genau dahin zu legen, wo es später verwendet wird. Aber meistens ist das genau in der prallen Sonne. Lieber sollte man ein paar Meter mehr laufen, um solche Arbeiten an einem schattigen Platz verrichten zu können. Sollte ein solcher Platz nicht vorhanden sein, lohnt sich auf jeden Fall die Investition in ein Sonnensegel, einen Pavillon oder ähnliches, denn spätestens im nächsten Jahr kann er wieder ausgepackt werden. Auch in den Pausen gilt: Ab in den Schatten.

Doch nicht nur die Sonne, auch die Hitze ist ein großes Problem. Wer in Innenräumen arbeitet, sollte deswegen so früh wie möglich am Morgen die Fenster aufreißen und die (verhältnismäßig) kühle Außenluft reinlassen. Spätestens um zehn Uhr sollten diese aber wieder geschlossen werden. Wenn die Temperaturen auch im Innenraum im Laufe des Tages hochklettern, sollte ein Ventilator oder eine mobile Klimaanlage aufgestellt werden.

Insbesondere Fahrzeuge verwandeln sich im Sommer in Backöfen. Wenn es im Auto bis zu 80 Grad warm wird, ist eine Klimaanlage unverzichtbar. Um das Arbeiten mit Baggern und Kränen bei starker Sonne erträglicher zu machen, ist der Einbau einer UV-absorbierenden Scheibe sinnvoll.

Schwere körperliche Arbeiten vermeiden

Bei hohen Temperaturen schlägt unser Herz bis zu 20 Schläge schneller als sonst. Wenn wir unserem Körper dann noch schwere Arbeit zumuten, kann das die Belastungsgrenzen des Kreislaufs überschreiten. Dazu kommen noch die im Sommer oft hohen Ozonwerte, die den Sauerstoffgehalt der Luft reduzieren. Zudem greift das giftige Gas unsere Schleimhäute an, schlägt die Lungenfunktion ein und verursacht Kopfschmerzen. Deswegen gilt: Schwere Arbeiten sollten dringend in den frühen Morgenstunden erledigt werden. Wenn die Planung es zulässt, ist es natürlich am besten, diejenigen Aufträge, die körperlich weniger anstrengend sind, in den heißen Wochen des Jahres zu bearbeiten. Besondere Vorsicht gilt bei älteren Arbeitnehmern, oder solchen mit Bluthochdruck, chronischer Bronchitis oder Nierenfunktionsstörungen.

Snacks und Getränke spendieren

Bei schwerer körperlicher Arbeit verliert der Körper am Tag bis zu fünf Liter Wasser, und das muss auch wieder eingeholt werden. Bereits bei einem Wasserdefizit von nur 2 Prozent leidet unsere Leistungsfähigkeit. Der Arbeitgeber kann seine Beschäftigten unterstützen, indem er kostenlose Getränke bereitstellt. Am besten ist Wasser mit einem hohen Mineralstoffanteil, aber auch eine Saftschorle mit hohem Wasseranteil oder eine Tasse Tee eignen sich gut. Der Tee hat zudem noch einen entscheidenden Vorteil: er ist warm. Auch wenn wir es als große Erfrischung empfinden, bei Hitze ein eisgekühltes Getränk auszupacken, freut sich der Körper nicht darüber. Denn die kalte Flüssigkeit muss erst einmal auf Körpertemperatur gebracht werde, also muss der Körper noch mehr Wärme erzeugen. Was man nicht trinken sollte, sind Milch, Smoothies oder Zuckerhaltige Getränke, denn durch die unnötige Energiezufuhr wird die Flüssigkeitsaufnahme verhindert.

Um eine konstante Leistungsfähigkeit zu erhalten, ist es nicht nur wichtig, wie viel man trinkt, sondern auch wann man trinkt. Wer alle halbe Stunde ein paar Schlucke Wasser trinkt (und dabei 5 Minuten Pause macht) ist fitter, als jemand der alle zwei Stunden einen Liter in sich hineinkippt.

Aber nicht nur durch Getränke kann der Körper Flüssigkeit aufnehmen, auch die richtigen Lebensmittel sind wichtig. Wer seinen Beschäftigten also eine Freude machen will und ihnen etwas Gutes tun will, bringt zur Mittagspause ein paar kalte Melonenscheiben oder anderes Obst mit, Bananen eignen sich auch besonders gut, da sie den Mineralstoffhaushalt wieder auffüllen. Losgelöst vom gesundheitlichen Faktor: Eine Runde Eis ausgeben steigert die Motivation im Team.

Kostenloser Sonnenschutz

Die Kraft, die von der Sonne ausgeht, wird oft unterschätzt. UV-Strahlung zerstört Zellen in unserer Haut, weswegen diese dringend geschützt werden muss. Aber entgegen der Vernunft werden mit steigender UV-Strahlung die kurzen Klamotten ausgepackt. Lange Klamotten oder spezielle UV-Schutzbekleidung sind also wichtig, um die eigene Gesundheit zu schützen, auch UV-Schutzbrillen und Kopfbedeckungen sind unverzichtbar. Die BG Bau unterstützt Mitgliedsunternehmen mit bis zu 50 Prozent der Kosten. Auch beim Eincremen werden häufig Fehler gemacht: Es werden Stellen vergessen, zu wenig Sonnencreme benutzt oder davon ausgegangen, dass der Schutz den ganzen Tag erhalten wird. Zum Nachtragen der Creme empfiehlt sich ein Schutzspray, da dieses auch mit schmutzigen Händen gut aufgetragen werden kann.