Die DGNB hat Weiterentwicklungen ihres Zertifizierungssystems veröffentlicht: Eine internationale Version und eine Zertifizierung für Quartiere.

Die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) veröffentlicht eine internationale Version des DGNB Systems für Neubauten, das erstmals für eine Vielzahl unterschiedlicher Gebäudenutzungen anwendbar ist und eine neue Version des DGNB Systems für die Zertifizierung von nachhaltigen Quartieren. „Einen richtigen Mehrwert liefert eine Zertifizierung dann, wenn sie als Planungs- und Optimierungswerkzeug bereits in einer frühen Projektphase angewandt wird“, sagt DGNB Geschäftsführer Johannes Kreißig. „Es geht nicht darum, Checklisten ohne Bezug zum konkreten Projekt abzuarbeiten, sondern die sinnvollsten Maßnahmen im Sinne einer ganzheitlichen Nachhaltigkeit umzusetzen, um das Gebäude oder Quartier nachweislich besser zu machen.“

Internationale Zertifizierung:

Die neue internationale Zertifizierung verfolgt einen ganzheitlichen, lebenszyklus- und performanceorientierten Nachhaltigkeitsansatz und umfasst alle wesentlichen Zukunftsthemen wie Klimaschutz, Circular Economy und Gesundheit. Weltweit hat die Bedeutung der Nachhaltigkeitszertifizierung stark zugenommen. Allein die DGNB hat in den vergangen zehn Jahren mehr als 6.000 Auszeichnungen in fast 30 Ländern vergeben. „Das Interesse an der DGNB Zertifizierung aus dem Ausland nimmt ungebrochen zu, und es ist schön, zu beobachten, dass die dazugehörige Planungsphilosophie immer besser verstanden wird. Richtig angewandt ist es der perfekte Startpunkt zur Planung und Optimierung von Gebäuden, denen es gelingt, die Klimaschutzziele zu erfüllen, und die den Menschen eine gesunde, lebenswerte Umgebung bieten“, freut sich DGNB-Geschäftsführer Johannes Kreißig über diese Entwicklung. Die bisherige internationale Version von 2014 wurde ausschließlich für Büro- und Verwaltungsgebäude entwickelt. Das neue Zertifizierungssystem umfasst neun verschiedene Gebäudenutzungen.

Die internationale Version ist weit mehr als eine Übersetzung der deutschsprachigen: spezifische lokale Anforderungen wie regulatorische, klimatische und kulturelle Gegebenheiten werden bei der Anwendung im Ausland berücksichtigt. Dabei greift es vielfältige Anforderungen an den Klima- und Ressourcenschutz auf. Dabei ist es das erste System, das Circular-Economy-Lösungen auf Gebäude-Ebene wert- und messbar macht und welches klare Anreize für die Planung und Umsetzung klimaneutraler Gebäude bietet. Verankert sind wichtige Nachhaltigkeitsanforderungen wie die Ökobilanzierung, die Lebenszykluskostenrechnung und die verpflichtende Messung von Innenraumluftqualität. Durch die Vermeidung von Schad- und Risikostoffen wird die Zukunftsfähigkeit der Gebäude gestärkt. In Verbindung mit der Auszeichnung „DGNB Diamant“ ist es das erste System weltweit, das Aspekte der gestalterischen und baukulturellen Qualität berücksichtigt.

DGNB-System für Quartiere

Seit 2012 hat die DGNB ein Zertifizierungssystem speziell für nachhaltige Quartiere, das dabei hilft, eine ganzheitliche Nachhaltigkeitsqualität zielgerichtet, systematisch und wirtschaftlich umzusetzen. Für die neue Version wurden sämtliche Kriterien auf ihre Aktualität, Methodik, Zielorientierung und praktische Anwendbarkeit hin überprüft und wo es sinnvoll war, angepasst. Die Kriterien des Quartiersystems wurden außerdem stärker auf die der Gebäudezertifizierung abgestimmt und teilweise übernommen. Dazu zählen die Einführung von Bonuspunkten, die sich positiv auf das Zertifizierungsergebnis auswirken und das Prinzip der Innovationsräume, das eine größere planerische Freiheit ermöglicht. Zudem wurden sämtliche Kriterien im Hinblick auf ihren Beitrag zur Erreichung der globalen Sustainable Development Goals der vereinten Nationen überprüft. „Die Entwicklung von nachhaltigen Quartieren zählt zu den Schlüsselaufgaben der heutigen Stadtentwicklung“, sagt  DGNB-Geschäftsführer Johannes Kreißig. „In Zeiten von Klimawandel, Ressourcenknappheit und sozialer Spaltung kommt den Planern, Entwicklern, kommunalen und institutionellen Bauherren eine besondere Verantwortung zu. Es geht um die Schaffung von zukunftsfähigen, lebenswerten Quartieren, in denen Menschen sich wohlfühlen können, ohne dass Klima und Umwelt unnötig beeinträchtigt werden. Genau hier setzt das DGNB System an, mit dem wir europaweit marktführend sind.“

Die Kernthemen Klimaschutz, Klimaanpassung und Resilienz stehen im Mittelpunkt der überarbeiteten Version. Ziel ist es, einen möglichst geringen CO2-Ausstoß zu realisieren. Dabei werden auch Stadt- und Mikroklima sowie Umweltrisiken betrachtet. Weitere Fokusse liegen auf dem Schutz von Biodiversität, Circular Economy und der Mobilität. So werden beispielsweise Mobilitätsmanagement-Strategien für autofreie Quartiere belohnt. Aber selbstverständlich steht der Mensch im Mittelpunkt. Deswegen sollen Räume mit hoher Aufenthaltsqualität geschaffen und eine gute Durchmischung unterstützt werden. Dazu sollen die späteren Nutzer früh eingebunden werden. Die Zertifizierung ist erstmals für fünf verschiedene Quartiernutzungen anwendbar: Stadtquartiere, Businessquartiere, Gewerbegebiete, Event Areale, Industriestandorte.