Pro Jahr muss der Staat 6,1 bis 14 Milliarden Euro für die energetische Sanierung von vermieteten Wohngebäuden aufwenden, damit die Klimaziele erreicht werden.

Ansonsten würden Mieter und Vermieter derart finanziell überlastet, dass der soziale Frieden in Deutschland in Gefahr gerate. Dies zeigt die neue Studie von Professor Sven Bienert des Instituts für Immobilienwirtschaft an der Universität Regensburg im Auftrag des Verbandes der Wohnungswirtschaft (GdW), des Deutschen Mieterbundes (DMB) und des Deutschen Verbandes für Wohnungswesen, Städtebau und Raumordnung (DV). Je nach Finanzierungsmodell und unter Berücksichtigung aktuell verfügbarer KfW-Förderung liegt der Fehlbetrag zwischen 5,3 und 13,2 Milliarden Euro. Fehlen diese Finanzmittel, kann das Klimaziel 2050 nicht warmmietenneutral erreicht werden. Darauf haben die drei Verbände im vergangenen Herbst bereits aufmerksam gemacht, damals auf Basis der dena-Leitstudie. Die neue Studie bietet nun wissenschaftliche Belege.

Verhältnismäßig günstig könnte das Klimaziel erreicht werden, wenn man den Fokus weg von hohen Wärmeschutzstandards und hin zu mehr „grünen“ Versorgungslösungen verlagert. Dies können beispielsweise CO2-freie Wärmenetze, lokale Solarenergienutzung oder Wärmepumpen sein. Der Blick auf konkrete Förderinstrumente zeigt, dass statt der bisherigen pauschalen Fördersätze vielmehr differenzierte und verstärkte Förderungen von Maßnahmen an der Gebäudehülle sinnvoll sind. So würden Anreize gesetzt, weniger häufig modernisierte Gebäudeteile zu sanieren, um so die durchschnittlichen Sanierungsraten effektiv zu steigern. In Anbetracht der Corona-Krise scheinen öffentliche Förderprogramme nicht nur zum Schutz des Klimas notwendig, sondern auch um die Wirtschaft zu stimulieren. Die Verbände betonen, dass sie die ordnungsrechtliche Maßnahme „zusätzliche energetische Mindestanforderungen und deren Pönalisierung durch Vermietungsverbote“ für keine sinnvolle Lösung erachten.