Wöchentlich nimmt jeder von uns Plastik mit dem Gewicht einer Kreditkarte über die Nahrung zu sich. Die Hauptquelle von Mikroplastik ist Reifenabrieb.

Jeder Mensch nimmt wöchentlich etwa 5 Gramm Mikroplastik über seine Nahrung zu sich – das entspricht einer Kreditkarte.  Dieses Ergebnis einer Studie der Umweltstiftung World Wide Fund for Nature (WWF) erschreckt und um diese Zahl zu verringern, muss besonders an unseren Straßen gearbeitet werden. Eine Studie des Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheit- und Energietechnik in Oberhausen (Umsicht) aus dem Juni 2018 zeigt: Der Abrieb von Lkw-, Pkw-, Motorrad- und Fahrradreifen macht mehr als 42 Prozent der gesamten Mikroplastik-Emission in Deutschland aus. Rechnet man den Abrieb von Schuhsohlen, Fahrbahnmarkierungen und Asphalt hinzu, ergibt sich, dass rund 57 Prozent der Emissionen auf Verkehrsflächen entstehen. Dies bietet Anlass für das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI), das Verbundprojekt TyreWearMapping zu fördern, bei dem Hotspot-Karten für künftige Maßnahmen entwickelt werden.

Dr.-Ing- Ilka Gehrke, Abteilungsleiterin Photonik und Umwelt bei Fraunhofer Umsicht in Oberhausen möchte mit ihren Forschungspartnern ein digitales Planungs- und Entscheidungsinstrument entwickeln, anhand dessen die Verteilung, Ausbreitung und Quantifizierung von Straßenabrieb minimiert werden kann. So können auf sachlicher Basis regulatorische Maßnahmen ergriffen werden, wie zum Beispiel ein Tempolimit oder bauliche Maßnahmen wie Filteranlagen an Straßenabläufen.

Reduzierung von Mikroplastik durch Sedimentation:

M. Eng. Thorsten Schmitz und Kollegen haben mithilfe des vom Land NRW geförderten Projekts ReWaFil am Institut für Infrastruktur, Wasser, Ressourcen, Umwelt (IWARU) der FH Münster die Sedimentierbarkeit von Straßenkehricht untersucht. Dies ist besonders in Siedlungsgebieten von erhöhtem Interesse, da hier das Mikroplastik aus dem Straßenverkehr überwiegend mit Regenabflüssen abgespült wird. Bei einem kombinierten Reifen- und Straßenabrieb, bei dem eine Dichte von 2 g/cm3 wahrscheinlich ist, ist die Sedimentation gut geeignet. Bei reinem Straßenabrieb ist dies schon schwieriger. Bei Mischkanalisationen werden mehr als 95 Prozent zurückgehalten, bei Trennkanalisationen ist der Rückhalt der Partikel gering. Um hier ein besseres Ergebnis zu erzielen, müssten die Oberflächenbeschickung auf 2 m/h reduziert werden, was immens große unterirdische Anlagen erfordern würde. Und selbst dann könnten nur 10 Prozent des Abriebs eliminiert werden, nämlich die größten Partikel. Die unterschiedliche Größe der Partikel liegt in der Geschwindigkeit der Fahrzeuge begründet. Je höher das gefahrene Tempo, desto kleiner die Partikel. Eine Möglichkeit, sehr feine Partikel aufzufangen, ist mit einem Filter. Hier stellt sich jedoch das Problem, dass der Wartungsaufwand steigt, je effektiver der Filter ist.

Präventive Maßnahmen gegen Mikroplastik

Das Ziel muss sein, eine weitere Verbreitung in Richtung Luft, Boden und aquatische Ökosysteme zu reduzieren. Es empfiehlt sich daher, den Eintritt der Partikel in die Straßenabflüsse vorsorglich zu minimieren. Dafür müssen die Straßen intensiver gereinigt werden. Besonders die Hotspot-Stellen müssen in verkehrsarmen Zeiten gereinigt werden, bevor die Partikel verwirbelt und abgeschwemmt werden. Vorgaben der Bundesländer für Reinigungsleistungen und Wartungsintervalle in Bezug auf Reifenabrieb gibt es noch nicht. Dabei sind die Bereiche, in denen viel Reifenabrieb entsteht, leicht zu erkennen:

Kreisverkehre, Ampelbereiche und Beschleunigungsstreifen: Hier wird gebremst, angefahren, beschleunigt und in engen Radien gelenkt. Das macht den Abrieb von Reifen besonders intensiv.

Parkplätze, Speditionen und Industrieareale: Es wird nicht schnell gefahren, aber rangiert. Es entstehen zwar wenige feine Partikel, dafür sind diese Flächen verstärkt mit Kupfer und Zink durch das abtropfende Wasser von Karosserien belastet.