Asbest ist seit 1993 in Deutschland verboten, dennoch geht von dem Mineral noch ein hohes Gesundheitsrisiko aus. Alle wichtigen Zahlen und Fakten:

In der EU gibt es nach konservativen Schätzungen der Europäischen Kommission etwa 8.000 vorzeitige Todesfälle im Jahr, die durch Kontakt mit Asbeststäuben zu begründen sind. Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) Genf rechnet weltweit mit jährlich 100.000 Asbesttoten. Zwischen 2001 und 2016 fiel schätzungsweise 6,4 Millionen Tonnen asbesthaltiger Abfall an. Für einen besseren Gesundheitsschutz der Beschäftigten veröffentlichen die Mitgliedstaaten der europäischen Regionen der Weltgesundheitsorganisation nationale Asbest-Profile. In diesen wird über Asbestgebrauch und die Verwendung aufgeklärt, über die Anzahl der Exponierten, das mit Asbest verbundene Krankheitsgeschehen, über das System zur Regulierung der Asbestrisiken und über die ökonomische Belastung durch Asbesterkrankungen. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin hat das Nationale Asbest-Profil Deutschland nun in zweiter Auflage veröffentlicht.

Die Geschichte von Asbest

Vor über 100 Jahren hat der Naturstoff Asbest als „Mineral der tausend Möglichkeiten“ in industriellen und verbrauchernahen Bereichen Verwendung gefunden. Dass ein Gesundheitsrisiko von Asbest ausgeht, wurde bereits Anfang des 20. Jahrhunderts entdeckt und seit 1942 ist Lungenkrebs in Verbindung mit Asbestose in Deutschland offiziell als Berufskrankheit anerkannt. Allerdings blieb lange Zeit unentdeckt, wie Asbest krebserregend wirkt. Im Jahr 1972 veröffentlichten die Wissenschaftler Pott und Stanton die Hypothese, dass hinreichend lange, dünne und biobeständige Fasern eine krebserregende Wirkung haben können. Diese Faserhypothese wird inzwischen durch eine Vielzahl an Tierexperiementen gestützt und international anerkannt. Darauf basiert die Erkenntnis, dass auch andere bioseptische Fasern Krebserkrankungen verursachen können. Erst 1972 gab es die ersten Schutzvorschriften, die die Asbestbelastung am Arbeitsplatz erheblich mindern konnten, aber lange nicht ausreichend für die Sicherheit der Beschäftigten waren. Bis mindestens Anfang der 1990er Jahre fand Asbest in Deutschland vor allem im Baubereich Anwendung. Dies wurde erst 1993 durch ein umfassendes Verbot von Herstellung, Vermarktung und Verwendung von Asbestprodukten in Deutschland gestoppt. 2005 beschloss auch die europäische Union einen vollständigen Ausstieg aus der Asbestverwendung. Von 1950 bis 1990 wurden etwa 4,4 Millionen Tonnen alleine in Westdeutschland verbraucht. Asbest findet sich in mehr als 3.500 Produkten.

Die Risiken heute

Die Latenzzeit zwischen Asbestbelastung und dem Ausbruch der Krankheit beträgt im Schnitt mehr als 30 Jahre. Da der Asbestgebrauch noch Mitte der 1970er Jahre kontinuierlich gestiegen ist, wird das volle Ausmaß der Erkrankungen erst heute deutlich. Alleine zwischen 1994 und 2012 starben mehr als 26.000 Menschen vorzeitig an den Folgen des Minerals. 2017 starben rund 1.600 Berufserkrankte, weil sie asbesthaltigen Stäuben ausgesetzt waren.

100.000 Beschäftigte sind noch heute potentiell bei ihrer Arbeit im Bauhandwerk oder der Abfallentsorgung mit Asbest in Berührung gekommen. Besonders beim Abriss oder Umbau von Gebäuden kann Asbest freigesetzt werden. Eine große Problematik ist vor allem die Arbeit an verdeckten asbesthaltigen Putzen, Spachtelmassen und Fliesenklebern. Diese werden häufig ohne die erforderlichen Maßnahmen durchgeführt. Die rund 750.000 Handwerker im Ausbaugewerbe sehen sich hier einem erhöhten Risiko entgegen gestellt. Schätzungsweise sind immer noch über 35 Millionen Tonnen Asbesthaltiges Material verbaut, zumeist als Asbestzement.

Wie ist das Profil zu finden?

Das Profil geht auch auf Arbeitsplatzgrenzwerte für Asbest und aktuelle Regelungen zum Schutz der Angestellten ein. Eine PDF-Datei steht auf der Website der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin zum Download bereit.