Der Bauherr kann Abriss und Neubau seines Rohbaus verlangen, wenn bei Nachbesserungen am Mauerwerk keine anerkannten Regeln und Techniken angewandt wurden.

In einem aktuellen Fall kam es zu Mängeln am Bauwerk eines Handwerkers. Grundsätzlich muss dieser die Mängel beseitigen. In dem Fall bemängelte der Bauherr unter anderem fehlenden Klebemörtel, Winkelabweichungen am Grundriss, zu große Stoßfugenspalten und nicht verbundene tragende Innenwände. Der Bauherr verlangte hier nicht nur eine Nachbesserung, sondern den Abriss und Neubau des Bauwerks, da dieses mit bloßen Nachbesserungen nicht mehr den anerkannten technischen Regeln entspreche. In Ausnahmefällen kann der Handwerker geforderte Nachbesserungen allerdings zurückweisen, wenn die Kosten dafür unverhältnismäßig hoch sind. Und davon machte dieser auch Gebrauch. Er hätte bloße Einzelmaßnahmen ergriffen, um die Risse zu beheben. Das Oberlandesgericht (OLG) Dresden verurteilte das Bauunternehmen jedoch zu einem Kostenvorschuss von 144.152 Euro. So würden die zahlreichen Mängel auf Dauer zu einem erhöhten Risiko von Putzrissen führen, was der Bauherr nicht hinnehmen müsse – auch dann nicht, wenn die Statik des Gebäudes nicht gefährdet sei. Ein Sachverständiger bestätigte dann vor Gericht, dass die festgestellten Mängel nur durch Abbruch und Neubau beseitigt werden könnten.

Jetzt ist das Bauunternehmen dran

Die seitens des Bauunternehmens eingeklagten zu hohen Kosten seien laut OLG nicht vorhanden. So könne sich das Unternehmen nicht auf diese Ausnahme berufen, da die Funktionsfähigkeit durch den fehlenden technisch einwandfreien Zustand nicht gegeben sei. Dazu komme, dass das Einfamilienhaus wegen der schlechten Bauleistung an Wert verliere. Auch ein Minderwert stelle einen Mangel dar. Das OLG schätzte den Minderwert auf fünf Prozent der Gesamtkosten. Diese vielen Gründe würden dafür sprechen, dass der Bauherr einen Neubau verlangen und das Bauunternehmen dafür aufkommen sollte.

Interessen:Rechtliches Rohbau