In einem aktuellen Fall entschied das Oberlandesgericht Hamm: Blenden die glänzenden Dachziegel den Nachbarn zu stark, muss der Hauseigentümer diese entfernen.

Der Eigentümer eines Einfamilienhauses hatte sein Dach mit hochglänzenden Dachziegeln eindecken lassen. Zwei Jahre später ließ er einen Großteil gegen matt glasierte Dachpfannen austauschen. Im Bereich der Dachränder und des Dachfirstes aber blieben die alten Hochglanzziegel liegen. Der Nachbar konnte sich mit den übriggebliebenen Dachziegeln allerdings nicht abfinden. So habe er den Garten und das Wohn- und Esszimmer nur mit gesenktem Kopf nutzen können. Tagsüber im Frühjahr und im Sommer und nachts bei Vollmond im Winter soll das Blenden besonders schlimm gewesen sein – er klagte vor Gericht darauf, die Blendwirkung zu verringern. Und siehe da: Das Oberlandesgericht in Hamm gab dem Kläger Recht. Da es allerdings keine Grenzwerte für das Blenden von Dachziegeln gibt, hat das Gericht sich die Ziegel bei einem Ortstermin aufmerksam angeguckt. So stellen die matten Ziegel keine Beeinträchtigung dar. Die glänzenden Ziegel allerdings blenden so stark, dass sie eine wesentliche Beeinträchtigung des Nachbargrundstückes darstellen. Der Hausbesitzer muss die hochglänzenden Dachpfannen also gegen weniger reflektierende austauschen. Das Gericht betonte beim Urteil allerdings, dass der persönliche Eindruck vor Ort entscheidend gewesen sei, da es keine festen Grenzwerte für Lichtreflex-Immissionen gebe.