Soloselbstständige werden immer mehr zu einem ernsten Problem für die Bauwirtschaft. Der ZDH fordert deshalb jetzt selbst, endlich den gesetzlichen Rahmen neu zu definieren.

Denn die zunehmende Anzahl von Soloselbstständigen wirkt sich wettbewerbsverzerrend auf das Handwerk aus. Das gaben kürzlich der Zentralverband des deutschen Handwerks (ZDH) und der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) bekannt. Soloselbstständigkeit behindere demnach nicht nur den fairen Leistungswettbewerb, sondern schade auch dem Tarifgefüge. Immer häufiger werden subunternehmerische Strukturen eingeführt und das Reisegewerbe überstrapaziert. Vor allem digitale Online-Plattformen, die handwerkliche Dienstleistungen vermitteln, würden diese Fehlentwicklung begünstigen. „Missbräuchliche Formen der Soloselbstständigkeit können nicht im Interesse eines lebendigen und zukunftsfähigen Handwerks sein“, erklärt Stefan Körzell, Mitglied des Bundesvorstands des DGB. Die Politik sei nun gefordert, den Rahmen der Soloselbstständigkeit neu zu definieren. Es müsse ein fairer Wettbewerb garantiert sein, der die Menschen nicht ihr Leben lang von Transferleistungen abhängig macht. „Durch die Wettbewerbsverzerrung von Soloselbstständigen werden reguläre Unternehmen mit sozialversicherungspflichtig Beschäftigten ins Abseits gedrängt“, bestätigt auch Karl-Sebastian Schulte, Geschäftsführer des Unternehmerverbandes Deutsches Handwerk (UDH).

Nicht nur Altersvorsorgepflicht wird gefordert

Der DGB und der ZDH fordern die Politik deshalb zu klaren und neuen Maßnahmen auf, um gegen die Wettbewerbsverzerrung durch die Soloselbstständigen vorzugehen. Eine mögliche Option wäre eine verpflichtende soziale Absicherung, um die Soloselbstständigkeit unattraktiver zu machen. Dazu gehört nicht nur eine verpflichtende Altersversicherung, sondern auch eine gesetzliche Unfallversicherung, die gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherung und auch das Umsatzsteuerrecht beim Arbeitsschutz und bei der Kleinunternehmerregelung. Außerdem sehen die Verbände auch einen deutlichen Handlungsbedarf beim Zoll und bei der Finanzkontrolle gegen Schwarzarbeit. Aber auch die Tarifpartner in den einzelnen Handwerksbranchen werden aufgefordert, durch eine stärkere Tarifbindung für einen fairen Wettbewerb und für gute Arbeitsbedingungen zu sorgen. Nur so könne die Wettbewerbsverzerrung durch Soloselbstständige eingedämmt werden. Die Zahl der Ein-Mann-Unternehmen würde ansonsten auch in Zukunft weiter steigen.