Parkt ein Handwerker mal im Halteverbot oder wird beim Rasen geblitzt, drückt der Chef schon mal ein Auge zu und zahlt die Strafe. Doch darf er das so einfach?

Das fragen sich sicherlich viele Arbeitgeber aber auch Arbeitnehmer: Muss dieser geldwerte Vorteil als Arbeitslohn versteuert werden? Der Bundesfinanzhof hat schon 2013 in einem passenden Fall eine Antwort auf diese Frage gegeben. So hielten sich in dem Fall einige Lkw-Fahrer einer Spedition nicht an ihre Lenk- und Ruhezeiten, die Bußgelder dafür zahlte der Arbeitgeber. Das Finanzamt entschied daraufhin, dass es sich bei den übernommenen Bußgeldern um Vorteile handelt, die für die Lkw-Fahrer bares Geld wert sind. Demnach seien die Beträge wie normaler Arbeitslohn zu versteuern. Die Spedition klagte, doch auch die obersten Finanzrichter am Bundesfinanzhof sahen es wie das Finanzamt: Demnach sind übernommene Bußgelder steuerpflichtiger Arbeitslohn.

In einem anderen Fall von 2016 parkten Paketzusteller im Halteverbot oder in der Fußgängerzone. Die Knöllchen bezahlte auch hier der Arbeitgeber. Nachdem das Finanzamt die Zahlungen als steuerpflichtigen Arbeitslohn ansah, ging auch der Paketzustellungsdienst vor Gericht. Sie argumentierten, die Zusteller hätten im Interesse ihres Arbeitgebers gehandelt und nur deshalb Knöllchen erhalten; außerdem seien die Strafzettel direkt an den Arbeitgeber als Halter des Fahrzeuges gegangen und nicht an den Fahrer. Ein Urteil des Bundesfinanzhofs wird noch dieses Jahr erwartet. Ein Rat der Steuerexperten beim Lohnsteuerhilfeverein VLH an Arbeitgeber lautet: „Unternehmen sollten weiterhin den geldwerten Vorteil, der durch die Übernahme des Knöllchens entsteht, als Lohn behandeln, wenn sie die Bußgelder ihrer Mitarbeiter übernehmen.“