US-Forscher haben einen Baustoff entwickelt, der Bakterien enthält, dadurch lebt, sich vervielfältigt und so gut wie kein CO2 freisetzt. Ist das die Zukunft des Bauens?

Die alles entscheidende Frage in dem Prozess der Entwicklung dieses Baustoffes war wohl: Warum sollten Materialien nicht lebendig gehalten werden, damit die Vorteile ihrer Biologie genutzt werden können? Diese Frage stellten sich die Forscher an der Universität von Colorado Boulder. Denn biologische Materialien wie Holz sind nicht mehr lebendig, erklärt Will Srubar, Assistenzprofessor am Departement für Bau-, Umwelt- und Architekturingenieurwesen (CEAE) an der Universität von Colorado Boulder. Auf seiner Suche entwickelte das Team ein Material, das Beton ähnelt, aber lebendig ist. Neben einer Mischung aus Sand und Hydrogel wird für das Material auch Gelatine verwendet, in der sogenannte Synechococcus-Bakterien wachsen. Die gelartige Konsistenz des Materials macht es möglich, dass die Bakterien mit Feuchtigkeit und Nährstoffen versorgt werden – so bleiben sie am Leben.

Beton kann sich selbst reparieren

Die größte Besonderheit an dem Stoff: Er kann Risse selbstständig flicken. Und nicht nur das: Der Stoff erzeugt nicht nur wenig CO2, er nutzt das Treibhausgas sogar bei seiner Arbeit. Je nach Anforderung kann der Stoff sogar leuchten. In Untersuchungen kam außerdem heraus, dass die mit dieser Technik produzierten Backsteine auch langlebig sind. Unter verschiedenen Feuchtigkeitsbedingungen wiesen die neuartigen Backsteine ungefähr die gleiche Festigkeit auf wie die Backsteine aus herkömmlichem Mörtel. Eine weitere Besonderheit: Wird ein Stein in zwei Hälften geteilt, sorgen die Mikroorganismen dafür, dass aus jeder Hälfte ein neuer Stein entsteht, erklärt Srubar. Nach Berechnungen der Forscher leben nach 30 Tagen und drei Ziegel-Generationen immer noch 9 bis 14 Prozent der Bakterienkolonien – widerstandsfähig sind sie also auch. Bis der Stoff massentauglich ist, müssen noch einige Probleme gelöst werden. So braucht der Beton feuchte Bedingungen, damit die Bakterien überleben können. In besonders trockenen Gebieten ist das allerdings ein Problem. Srubar sieht dennoch großes Potenzial in dem neuen Baustoff. So stellt er sich in ferner Zukunft vor, wie Säcke ausgeliefert werden könnten, die alle Zutaten für den Baustoff in getrockneter Form enthalten. Vor Ort müsste man dann nur noch etwas Wasser hinzugeben, um danach mit dem Bau mikrobieller Häuser anfangen zu können.