Vor neun Jahren wurde in Albstadt eine Brücke aus unkonventionellen glasfaser- und carbonbewehrten Materialien gebaut. Nun wurde eine erste Zwischenbilanz gezogen.

So wie viele andere neue Bauverfahren musste auch dieses Material sich zunächst unter Beweis stellen und wurde mehr als kritisch beäugt. Die am häufigsten gestellten Fragen beziehen sich vor allem auf die Haltbarkeit des Bauprojektes. Denn gerade von Brücken wird eine lange Haltbarkeit erwartet. Die Fußgängerbrücke wurde 2010 in Albstadt-Lautlingen auf der Schwäbischen Alb errichtet. Die alte Brücke aus Stahlbeton stellte mit ihren Rostfahnen vor allem für den Straßenverkehr ein großes Risiko dar. Die Idee für textilbewehrten Beton kam aus der Textilindustrie, die in der Gegend eine lange Tradition hat. Eine Studie zur Verwendbarkeit von Glasfaserbeton und die Eignung für den Bau einer Brücke war das finale Argument für die Stadt, den Versuch zu wagen. Durch Berechnungen und umfangreiche Bauteilversuche fand man heraus, dass die Brücke den geplanten Belastungen standhalte würde. Der größte Vorteil von textilbewehrtem Beton: die fehlende Korrosionsanfälligkeit der nichtmetallischen Bewehrung. So konnte die Betonüberdeckung der Brücke in Albstadt auf nur 1,5 Zentimeter reduziert werden. Bei einem vergleichbaren Stahlbetonbau wären mindestens 5 cm Überdeckung erforderlich gewesen. Auch ist eine Schicht Asphalt zum Korrosionsschutz der Stahlbewehrung auf der neuartigen Brücke nicht notwendig.

Wie macht sich die Brücke 2019?

Nico Köllnick, der bei der Breinlinger Ingenieure Hoch- und Tiefbau GmbH angestellt ist, hat 2019 im Auftrag der Stadtverwaltung Albstadt die Brücke nach DIN 1076 geprüft. So sei die Brücke nach fast zehn Jahren Benutzung in einem sehr guten Zustand. Auch der häufige Einsatz von Tausalz in den harten Wintern der Stadt habe der Brücke bis heute nicht geschadet: Die Oberfläche des Gehweges sei tadellos, genauso wie die Stabilität des gesamten Bauwerks.

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