Viele genehmigte Wohnungen stehen auf der Warteliste und warten darauf, gebaut zu werden. Dass das nicht passiert, liegt aber nicht an den überforderten Baubehörden.

Von rund 700.000 Wohnungen, die gebaut werden sollen, ist die Rede. Genehmigt sind diese längst. Der sogenannte Genehmigungsüberschuss, also der Bestand an Wohnungen, die bereits genehmigt, mit deren Bau allerdings noch nicht begonnen wurde, wächst stetig. Seit 2008 hat sich dieser mehr als verdoppelt. Laut Zahlen des Statistischen Bundesamtes warten damit Aufträge im Wert von gut neun Milliarden Euro auf ihre Bearbeitung. Da die Bauunternehmen zurzeit mehr als ausgelastet sind, ist zu erwarten, dass der Genehmigungsüberschuss auch weiterhin wachsen wird. Im Handwerker-Alltag ist das deutlich zu spüren: Mehr als schwierig gestaltet sich momentan die Suche für Wohnungseigentümer, einen Handwerker zu finden, der zügig Aufträge annimmt und diese ausführt. Zumindest hat der Grund für diese Schwierigkeit einen positiven Hintergrund, denn der zehnjährige Aufschwung am Bau wirkt sich nun mal insofern aus, dass die Nachfrage nach den Leistungen sehr hoch ist. Lediglich das Angebot ist nicht stetig mitgewachsen. So haben sich die Auftragsbestände im Wohnungsbau seit 2008 verdreifacht, während die Zahl der in der Branche Beschäftigten nur um ein Viertel zugenommen hat.

Der Fachkräftemangel bleibt unbesiegt

Dass die Bauunternehmen nicht mehr Leute einstellen, kann mehrere Gründe haben. So spielt der Fachkräftemangel sicherlich eine große Rolle bei dem Problem. Dass es wegen des durch die Wiedervereinigung bedingten Aufschwungs hohe Beschäftigungsrekorde gab, kann ein anderer Grund für die niedrige Beschäftigung sein. So gab es zu den Zeiten des Wiederaufbaus mehr als 700.000 Mitarbeiter in der Bauwirtschaft – davon ist man heute mit weniger als 500.000 Beschäftigten weit entfernt. In der aktuellen Legislaturperiode plant die Bundesregierung den Bau von 1,5 Millionen Wohnungen. Prognosen sagen allerdings voraus, dass diese Vorstellung unrealistisch sei und eine sechsstellige Zahl an Wohnungen fehlen werde. Daran schuld seien nicht nur die kleinen Baukapazitäten, sondern auch die viel zu lang andauernde Ausweisung neuer Baugelände seitens der Behörden. Nötig sind also vor allem Investitionen in den Bau seitens der Städte.