Zwar boomt die Baubranche und macht momentan guten Umsatz, das Ganze hat aber auch eine Schattenseite: Schwarzarbeit wird immer häufiger und verursacht riesige Schäden.

Nicht nur die Auftragseingänge sind in der Baubranche 2019 gestiegen, auch Schwarzarbeit verbreitet sich auf dem Bau immer weiter. So schätzt man den dadurch entstandenen Schaden in Berlin auf rund 98,5 Milliarden Euro. Um ganze 7,2 Milliarden Euro sind die Auftragseingänge deutschlandweit gestiegen. Umso auffälliger erscheint es der Fachgemeinschaft Bau (FG Bau), dass viele Betriebe bei den Sozialkassen angegeben haben, dass ihre Auslastung nur bei 25 Prozent lag. „Das ist ein Indiz dafür, dass man hier von schwarz geleisteten Arbeitsstunden ausgehen kann“, sagt Thomas Herrschelmann, Sprecher der FG Bau, gegenüber dem Tagesspiegel. Läge die Auslastung bei dieser enormen Auftragslage bei lediglich 25 Prozent, so hieße das, dass die Bauarbeiter nach wenigen Stunden nach Hause gehen. „Es gibt aber auf dem Bau keine Teilzeitarbeit“, erklärt Herrschelmann. In Berlin und Brandenburg sind in der FG Bau rund 900 Betriebe vertreten. Die Fachgemeinschaft geht davon aus, dass etliche Firmen davon ihre Mitarbeiter schwarz beschäftigen und somit Sozialbeiträge einsparen. Ein weiteres Indiz für Schwarzarbeit sei laut der FG Bau, dass viele Unternehmen nicht wie üblicherweise mindestens zur Hälfte aus Facharbeitern und zur anderen Hälfte aus geringer qualifizierten „Hilfsarbeitern“ bestehen. „Sobald die Quote von Facharbeitern bei weniger als 50 Prozent liegt, kann man davon ausgehen, dass Schwarzarbeit geleistet wird“, sagt der Sprecher.

Fast 100 Milliarden Euro Schaden

In den Jahren zwischen 2014 und 2018 soll in Berlin so durch Schwarzarbeit eine etwa 98,5 Milliarden Euro hohe Schadenssumme entstanden sein. „Wir gehen gegen Schwarzarbeit vor, denn wir wollen nicht, dass durch unlautere Mittel die ganze Branche in Verruf gerät“, sagt Herrschelmann. So gehe man das Problem bereits mit sogenannten „Baustellen-Läufern“ an. Diese sind praktisch als Detektive unterwegs und beobachten und recherchieren rund um bestimmte Baustellen. Ihre Ergebnisse geben sie an den Zoll weiter, der bei einem konkreten Verdacht weitere Schritte einleiten kann. „Unsere Baustellen-Läufer kennen die einschlägigen Orte, wo sich Schwarzarbeiter treffen, um dann für bestimmte Tätigkeiten eingesammelt und gezielt zu Baustellen gefahren werden.“ Eine konkrete Zahl, wie viel Schwarzarbeit es in Deutschland gibt, existiert nicht. Anhand von Kontrollen hätten die Zollfahnder allerdings bereits rund eine Milliarde Euro Schaden pro Jahr in Deutschland verhindert.