Der Bundestag hat beschlossen: Unter anderem für Fliesenleger und Orgelbauer gilt bald wieder eine Meisterpflicht. Die Entscheidung erntet Kritik von der Opposition.

Den Handwerkern wieder eine Möglichkeit bieten, sich auszuzeichnen. Das ist das Kernziel der Wiedereinführung des Meisterbriefs in den zwölf ausgewählten Berufen. CDU-Minister Peter Altmaier fasst die Bedeutung des Briefes in einem alten Werbespruch des Handwerks zusammen: „Das sicherste Wertpapier gibt es immer noch im Handwerk.“ Die Große Koalition wünscht sich, dass sich wieder mehr Handwerksbetriebe über den Meisterbrief profilieren. Die Pflicht gilt künftig für folgende Berufe: Fliesen-, Platten- und Mosaikleger, Betonstein- und Terrazzo-Hersteller, Estrichleger, Behälter- und Apparatebauer, Parkettleger, Rollladen- und Sonnenschutztechniker, Drechsler und Holzspielzeugmacher, Böttcher, Glasveredler, Schilder- und Lichtreklamehersteller, Raumausstatter und Orgel- und Harmoniumbauer. Kritik kam bei der Debatte im Bundestag vom neuen AfD-Parteichef Tino Chrupalla, Maler- und Lackierermeister. So solle der Orgel- und Harmonienbauer „aus Gründen der Gefahrengeneigtheit rückvermeistert werden. Warum soll denn der Klavier- und Cembalobauer oder der Geigenbauer nicht rückvermeistert werden? Antwort: kein Witz, weil eine Orgel schließlich auch mal brennen könne.“

Rückkehr zur Meisterpflicht für mehr Berufe politisch nicht gewollt

Auf die Frage danach, wieso die Meisterpflicht nicht für weitaus mehr Berufe wiedereingeführt wird, hat auch der Zentralverband des deutschen Handwerks eine Antwort. So sei die Rückkehr zur Meisterpflicht für weitaus mehr Berufe politisch nicht gewollt. Laut Wirtschaftsminister Altmaier sprechen rechtliche und vor allem auch europarechtliche Fragen dagegen. Die Grüne, Linke und FDP sind sich in dem Problem einig, dass die Meisterschulengebühren mit durchschnittlich 6600 Euro pro Prüfung und Prüfling definitiv zu teuer sind. „Zur Stärkung der Meisterausbildung wäre es daher sinnvoller gewesen, erst einmal die gebührenfreie Meisterausbildung und Prüfung- und Vorbereitung einzuführen, denn das wäre eine echte Gleichbehandlung von Studium und beruflicher Aus- und Weiterbildung“, meint Claudia Müller von den Grünen. Altmaier versprach, sich die Handwerksordnung in fünf Jahren erneut anzusehen und dann eventuell über eine Meisterpflicht für weitere Gewerke nachzudenken.