Um Arbeiter davor zu schützen, im Straßenbau zu viele Asphaltdämpfe einzuatmen, soll ein Grenzwert her. Die Branche fürchtet, dass der Betrieb komplett lahmgelegt wird.

Bis zu acht Stunden am Tag im Straßenbau zu arbeiten bedeutet, die ganze Zeit den Dämpfen des frischen Asphalts ausgesetzt zu sein. Aus Sicht des Bundesarbeitsministeriums braucht das allerdings einen besonderen Schutz. Darunter sind unter anderem Maßnahmen, die so streng ausfallen könnten, dass sich Asphalt nicht mehr sinnvoll verarbeiten lässt. Davor warnt zumindest die Bauwirtschaft in einem Brandbrief an das Ministerium. Bei den geplanten Maßnahmen handelt es sich unter anderem um einen Grenzwert für schädliche Dämpfe im Asphalt. Sollte der neue stark verschärfte Grenzwert für Asphaltdämpfe bald in Kraft treten, „müssten wir fast den gesamten Straßenbau einstellen“, heißt es in dem Brief, der an Kanzleramtsminister Helge Braun (CDU), Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) und Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) ging. Unterzeichnet ist der Brief von den Präsidenten des Zentralverbands des Deutschen Baugewerbes und des Hauptverbandes der Bauindustrie, Reinhard Quast und Peter Hübner. „Wir bitten Sie daher dringend, hier einzugreifen, eine Beschlussfassung zu verschieben oder, so unser Kompromissvorschlag, eine mindestens achtjährige Übergangsfrist bis zum Inkrafttreten des Arbeitsplatzgrenzwertes festzulegen“, mahnen die Präsidenten.

Gesundheitsgefahr als Ursache

Der Ausschuss für Gefahrstoffe bei der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, die dem Arbeitsministerium untersteht, hat die Maßnahme ins Rollen gebracht. Das Gremium erstellt Richtlinien gegen Gesundheitsgefahren am Arbeitsplatz. Der Grenzwert für Bitumdämpfe soll dann ab dem kommenden Frühjahr bei 1,5 Milligramm pro Kubikmeter Luft liegen. Laut Bauverbänden liegt der Wert momentan allerdings bei ordnungsgemäßer Verarbeitung von heißem Asphalt bei acht bis 12 Milligramm je Kubikmeter. Je heißer der Asphalt ist, desto höher auch die Werte der freigesetzten Bitumdämpfe. Je höher die Temperatur, desto höher allerdings auch die Qualität des Asphalts. Würde man diese Temperatur also für einen niedrigeren Wert an Bitumdämpfen senken müssen, würde darunter auch die Qualität leiden. Das sei technisch aber unzulässig, betont die Branche. Ein „temperaturabgesenkter Asphalt“ sei anfälliger für Schäden und zudem „nicht vom gültigen technischen Regelwerk des Straßen- und Verkehrswesens abgedeckt“.