In einem Urteil des Oberlandesgerichts Köln legen die Richter fest: Das Auftragen von Innenputz muss unter bestimmten Bedingungen bei Kälte im Winter überwacht werden.

Im Rahmen des Baus eines mehrgeschossigen Bürogebäudes wird ein Architekt vom Auftraggeber mit der Objektüberwachung beauftragt, die auszuführenden Bauleistungen übernimmt ein Generalunternehmer. Im folgenden Winter wird auf die Decken des Gebäudes eine Haftungsbrücke aufgebracht. Auch wird die Decke verputzt; dabei liegen die Luft- und Bauteiltemperaturen bei unter fünf Grad. Der DIN 18550 Norm zufolge darf der Putz jedoch nur dann aufgebracht werden, wenn die Oberflächentemperatur des Betons mindestens fünf Grad beträgt. Die Folge: Nach einiger Zeit zeigen sich im Deckenputz zahlreiche Hohlstellen und auch der Putz fällt oftmals von der Decke herunter. Die dadurch verursachten Schäden belaufen sich im besagten Fall bis heute auf etwa vier Millionen Euro. Der Architekt verweigert allerdings die Kostenübernahme, da es laut ihm keinerlei Bauüberwachung bei einfachen Putzarbeiten bedürfe.

Das Urteil

Das Landgericht gibt der anschließenden Klage des Auftraggebers statt, wogegen der Architekt Berufung einlegt. Doch auch damit ist er wenig erfolgreich, denn: Das Oberlandesgericht Köln ist der Ansicht, dass eine Verletzung der Bauaufsichtspflicht vorliegt. So übernehme der Architekt mit der Objektüberwachung die Verpflichtung, das Objekt frei von Mängeln bauen zu lassen und zu übergeben. Zwar berge das Auftragen von Putz wenige Risiken, dennoch hätte der verantwortliche Architekt wegen der niedrigen Temperaturen zumindest stichprobenartig überprüfen müssen, wie die Putzarbeiten erledigt werden. Auch lässt sich die Verantwortung nicht auf das beauftragte Generalunternehmen übertragen.