Der Einsatz von recycelten Baustoffen in Hamburg ist um 50 Prozent zurückgegangen. Und auch auf anderen Baustellen in der Großstadt sinkt der Anteil immer weiter.

Aus diesem Grund fordert die Hamburger Bau- und Ausbauwirtschaft (HBAW) einen stärkeren Einsatz von sogenannten Recyclingbaustoffen in der Hansestadt. So werde in anderen Bundesländern beim Hochbau zunehmend auf recycelte Baustoffe aus dem Abriss alter Gebäude zurückgegriffen, während in Hamburg seit knapp drei Jahren fast nur noch Schotter aus Naturstein verwendet würde, sagte HBAW-Sprecher Michael Seitz der Deutschen Presse-Agentur. Der Rückgang solcher nachhaltiger Baustoffe liege in der Stadt bei 50 Prozent. Aus Sicht der HBAW sei dies nicht nur aus wirtschaftlichen, sondern auch aus Umwelt- und Klimaschutzgründen unsinnig. Nach Angaben der Entsorgergemeinschaft Nord fallen jedes Jahr rund vier Millionen Tonnen mineralischer Abfälle an. Mindestens ein Viertel davon könnte theoretisch aufbereitet und beispielsweise als Schotter für Tragschichten im Straßenbau wiederverwendet werden. „Das passiert in der Regel aber nicht“, sagte der Geschäftsführer der Entsorgergemeinschaft, Thomas Prenzer. Folge sei, dass die Abfälle auf Deponien außerhalb Hamburgs gelagert oder sogar ins Ausland transportiert würden, wo sie noch Verwendung fänden. Gleichzeitig müssten die natürlichen Baustoffe aber aufwendig von woanders beschafft werden.

Fehlende Ausschreibungen

Grund für den niedrigen Anteil an Wiederverwendung alter Baustoffe liegt in einer 2016 ausgelaufenen Ausnahmeregelung, die die Verwendung der sogenannten Ersatzbaustoffe erleichterte. „Wir haben zum 1. Januar 2017 neue Anforderungen bekommen. Seither dürfen wir das Recyclingmaterial nur noch in den sogenannten Frostschutzschichten einbauen“, sagte Andreas Buhk, Geschäftsführer der Hamburger RBS Kiesgewinnung. Aber selbst in diesem Bereich finde es kaum mehr Verwendung, obwohl es laut Vorgaben nach wie vor zum Einsatz kommen solle. „Es wird einfach nicht mehr ausgeschrieben.“ Die Ursache dafür liege laut Seitz wiederum in den Behörden, die die Ausschreibungen im Straßenbau vornehmen. „Es ist in Hamburg einfach viel bequemer, Naturbaustoffe auszuschreiben, weil keine Einbauvorschriften abgeglichen werden müssen. Dann nehme ich doch gleich den Kies aus Schottland oder Norwegen, das passt immer.“ Dabei seien Ersatzbaustoffe sogar nur halb so teuer.