Das Aufstiegs-Bafög fördert Menschen von Lehrling bis Meister in ihrer Ausbildung. Mit einer Erhöhung will man die verschiedenen Bildungswege in eine Gleichwertigkeit bringen.

„Alle drei Fortbildungsstufen können aus dem Aufstiegs-Bafög heraus gefördert werden“, betonte Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) im Anschluss an die Kabinettssitzung. Mit der steigenden finanziellen Unterstützung will die Bundesregierung die Gleichwertigkeit zwischen Hochschulbildung und beruflicher Bildung unterstreichen. Anders als bisher wird es das Aufstiegs-Bafög also für jede einzelne Fortbildungsstufe neu geben – angefangen beim „Berufsspezialist“, über den „Bachelor Professional“ bis hin zum „Master Professional“. Außerdem werden künftig bei vollzeitschulischen Fortbildungsmaßnahmen alle Kosten übernommen. Bisher war dies nur bei der Hälfte der Kosten der Fall. Für eine vollständige Kostenübernahme bei einer Meisterausbildung erteilte die Bundesbildungsministerin eine Absage. Trotzdem sollen auch die Kosten für Lehrgänge und Prüfungen großteiliger übernommen werden: Bisher gab es einen Anteil von 60 Prozent als zinsgünstiges KfW-Darlehen und 40 Prozent als Zuschuss. Künftig soll der Staat aber mindestens die Hälfte der Kosten übernehmen. „Bei Bestehen der Prüfung wird es nochmals aufgestockt“, ergänzte die Ministerin. Wenn man sich nach einer bestandenen Prüfung selbstständig mache, werde das Restdarlehen erlassen. Die Flexibilität in der Weiterbildung möchte man außerdem dadurch unterstützen, virtuelle Unterrichtsformen zu fördern. Das Aufstiegs-Bafög wird zu 78 Prozent vom Bund und zu 22 Prozent von den Ländern finanziert. Am 1. August 2020 sollen die Neuregelungen in Kraft treten, für die die Bundesregierung nach dem neuen Koalitionsvertrag 350 Millionen Euro zusätzlich zur Verfügung stellen will.

Das sagt das Handwerk

Der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) freut sich zwar über den Beschluss des Bundeskabinetts, zeigt sich dennoch noch nicht vollends beeindruckt von den Neuerungen. So sei eine volle Gleichbehandlung zwischen akademischer und beruflicher Bildung noch nicht hergestellt. Es sei erforderlich, dass alle erfolgreichen Prüfungsabsolventen vom Restdarlehen für die Fortbildungskosten befreit werden. Die grundsätzliche Entscheidung, die berufliche Fortbildung im Rahmen des Aufstiegs-Bafög künftig besser finanziell zu fördern, erntet dagegen viel Lob. „Vor allem die Förderung von bis zu drei aufeinander aufbauenden Fortbildungen ist ein wichtiger Beitrag, um die dringend benötigten Fachkräfte zu sichern“, kommentierte ZDH-Generalsekretär Holger Schwannecke den Beschluss. Dass die Kosten für Existenzgründer vollständig erlassen werden, ermuntert viele junge Handwerker zur Betriebsgründung oder -nachfolge. Vor allem in Hinblick auf die zehntausenden anstehenden Unternehmensnachfolgen in den nächsten Jahren ist das eines der wichtigsten Ziele.