In Zeiten der Digitalisierung müssten berufliche Bildungsstätten auf allen Feldern revolutioniert werden, fordert der Bundesverband der Lehrkräfte für Berufsbildung.

Schon lange fordert der Bundesverband der Lehrkräfte für Berufsbildung (BvLB), dass die berufliche Bildung in vielen Gebieten in Richtung Digitalisierung entwickelt werden muss. Dazu haben sie gesetzte Standards der Digitalisierung des schulischen Alltags bereits definiert: Gigabit für alle, gutes W-LAN in allen Klassenräumen, das selbstverständliche Mitbringen des eigenen Mobilgerätes und Cloudtechnologie. Leider fehle es allerdings an technischer Ausstattung und qualifizierten Lehrkräften. Diese Forderungen äußert der Verband im Rahmen des Ausbildungsreports des Deutsche Gewerkschaftsbundes (DGB), für den über 16.000 Azubis befragt wurden.

Mangelwirtschaft statt Digitalkompetenz

„Die Ausbildung 4.0 kämpft mit einer Mangelwirtschaft anstatt mit Digitalkompetenz zu trumpfen“, sagt Joachim Maiß, einer von zwei Bundesvorsitzenden des BvLB. Die Anforderungen der Betriebe seien maßgeblich für das, was die Lehrkräfte an Schulen lehren. Dabei sind diese Anforderungen der nächsten Zeit noch ungewiss: „[Wir haben] im Zuge der Digitalisierung die schwierige Aufgabe, für eine Zukunft auszubilden, von der man nicht weiß, wie sie aussieht“, so Maiß und manifestiert: „Berufliche Schulen müssen Kompetenzzentren für berufliche Bildung in der digitalen Transformation werden.“ Gelöst werden kann diese Forderung durch sogenannte Learn-Labs, wo die Transformation gelebt wird. Auch digitale, miteinander vernetzte Klassenräume müssten geschaffen werden. „Die Politik muss die entsprechenden Rahmenbedingungen schaffen und das notwendige Geld zur Verfügung stellen, um die technisch notwendige Ausstattung flächendeckend zu gewährleisten und entsprechende Aus- und Fortbildungsangebote für Lehrkräfte aufsetzen zu können“, fordert der zweite BvLB-Bundesvorsitzende, Eugen Straubinger.

Azubis unzufrieden mit Ausbildung

Zu dem Schluss kam auch die DGB-Bundesjugendsekretärin Manuela Conte bei der Präsentation des Ausbildungsreports 2019: „Zu einer guten Ausbildung gehören eine bessere technische Ausstattung und die Vermittlung von digitalen Kompetenzen ebenso dazu, wie besser qualifiziertes Lehrpersonal und Breitbandanschlüsse für die beruflichen Schulen.“ Denn nur ein Drittel (34,9 Prozent) der befragten Auszubildenden beurteilen die digitale Ausstattung ihrer Berufsschule als gut oder sehr gut. Und nur 32,7 Prozent sehen sich durch den Unterricht ausreichend oder gar mangelhaft auf den Umgang mit digitalen Medien und Technologien gerüstet. Während am Anfang ihrer Ausbildung noch 75,3 Prozent der Azubis optimistisch sind, was die Vorbereitung auf die spätere digitale Arbeitswelt angeht, sind es kurz vor der Abschlussprüfung nur noch 60,4 Prozent. „Diese Zahlen machen uns Sorge“, zitiert der Berufsschullehrerverband die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack.