58.000 Ausbildungsplätze blieben 2018 unbesetzt, gleichzeitig blieben 79.000 Jugendliche aber ohne Lehrstelle. Die Gründe dafür hat eine neue Studie untersucht.

Insgesamt fangen zwar wieder mehr Jugendliche eine Ausbildung im dualen System an, trotzdem bleiben so viele Lehrstellen unbesetzt wie noch nie zuvor. Die Zahl hat sich in den vergangenen zehn Jahren sogar verdreifacht. Blieben 2009 noch 93.000 Bewerber erfolglos bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz, lag diese Zahl 2018 bei nur 79.000. Allerdings standen die 93.000 leer ausgegangenen Bewerber einer Zahl von lediglich 17.000 freien Lehrstellen gegenüber, 2018 waren es ganze 58.000. Die Studie „Ländermonitor berufliche Bildung“ nennt „Passungsprobleme“ als Hauptgrund dafür und hat auch weitere Gründe untersucht. Den Ländermonitor hat die Abteilung Wirtschaftspädagogik der Universität Göttingen und des Soziologischen Forschungsinstituts in Göttingen erstellt. Drei Problemlagen stechen hierbei ganz schnell heraus. So sind Passungsprobleme Grund Nummer 1 für die vielen leeren Ausbildungsplätze. Viele Betriebe halten die Bewerber für nicht geeignet oder die Bewerber finden den Betrieb anders herum nicht attraktiv genug. Das betrifft mit 44 Prozent fast die Hälfte der unbesetzten Lehrstellen. Am häufigsten passiert das im Einzelhandel. Der wohl schlichteste Grund ist der, dass schlichtweg die Bewerber fehlen. Bei einem Drittel der Betriebe, die ihre Lehrstellen nicht besetzen können, gibt es einfach keine Bewerber in dem betreffenden Ausbildungsberuf. Dies betrifft vor allem Branchen wie das Lebensmittelhandwerk oder das Hotel- und Gastronomiegewerbe. Knapp ein Viertel, nämlich 23 Prozent, der unbesetzten Stellen blieb deshalb frei, weil es den Bewerbern an Mobilität mangelt. Sie wohnen in anderen Regionen und können beziehungsweise wollen für den Ausbildungsplatz ihren Wohnort nicht wechseln.

11,3 Prozent offene Lehrstellen auf dem Bau

Im Bau- und Baunebengewerbe blieben insgesamt 11,3 Prozent der Lehrstellen unbesetzt. Das steht einer Zahl von 8,3 Prozent der Bewerber gegenüber, die trotz Bewerbung in diesem Bereich keinen Platz bekommen haben. Die meisten unbesetzten Lehrstellen haben die Reinigungsberufe. 27,7 Prozent der Stellen blieben hier unbesetzt. Die Elektrobetriebe besetzen ihre Stellen unter allen Branchen mit am effizientesten. So blieben hier nur 7,9 Prozent der Plätze frei, während 9 Prozent der Bewerber ohne einen Platz ausgingen. Die Ursache für viele abgelehnte Bewerbungen ist oftmals der Hauptschulabschluss eines Bewerbers. So fanden die Autoren der Studie heraus, dass Hauptschüler immer weniger Chancen auf eine Lehrstelle bekommen. Im Jahr 2017 begannen nur 37 Prozent von ihnen direkt nach Verlassen der Schule eine duale und weitere 10 Prozent eine schulische Ausbildung. Auch ausländische Schulabgänger finden nur schwer einen Platz. Lediglich 44 Prozent von ihnen konnten direkt eine Ausbildung beginnen.