Eine aktuelle Studie kommt zu dem Ergebnis, dass der Umstieg von Kohle auf den anderen fossilen Brennstoff Erdgas nicht so klimaschonend ist, wie es oft vermittelt wird.

Erdgas gilt als eine klimaschonende Alternative für den Strom- und Wärmebereich. Es gilt als „Brückentechnologie“ und weniger schädlich als das Verbrennen von Kohle. „Betrachtet man jedoch neben den Kohlendioxidemissionen auch die Methanemissionen, so zeigt sich, dass eine auf Erdgas basierende Klimaschutzstrategie das genaue Gegenteil bewirkt. Einsparungen von Kohlendioxid bei der Verbrennung vor Ort werden nur durch deutliche Erhöhungen der Methanemissionen in der Gesamtkette erkauft.“ So heißt es in der von der Energy Watch Group (EWG) veröffentlichten Studie „Erdgas leistet keinen Beitrag zum Klimaschutz“. Sie kommt zu dem Schluss, dass die Umstellung von der Stromgewinnung aus Kohle und Ölheizung auf Erdgas den Treibhauseffekt der Energieversorgung um rund 40 Prozent erhöht. Die EWG ist ein Think-and-Do-Tank des ehemaligen Bundestags-Abgeordneten Hans-Josef Fell. „Die Studie bestätigt, dass die Förderung des höchst klimaschädlichen Erdgases den Klimawandel weiter verschärft“, erklärt Fell, Präsident der EWG. Er fordert ein Umdenken in der aktuellen politischen Debatte um die Zukunft des Energiesektors. „Der Plan der CDU, allen voran der Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer, eine Abwrackprämie für Ölheizungen, aber nicht auch für Erdgasheizungen einzuführen, dient weder dem Klimaschutz noch den Verbrauchern. Abwrackprämien muss es für Erdöl-, Erdgas- und Kohleheizungen geben.“

Abschaffung fossiler Energieträger

Die Frage danach, was die Politik tun sollte, um ein zukunftsfähiges Energiesystem aufzubauen, beantworten die Studienautoren eindeutig. Es müsse demnach eine sofortige Abschaffung aller Subventionen für fossile Brennstoffe und eine flächendeckende Einführung emissionsfreier, erneuerbarer Technologien stattfinden. Alternativen seien die bereits vorhandene Erdgas-Infrastruktur für klimafreundliches Biogas und grüne Gase wie Wasserstoff und Ökostrom. So würde ein weltweiter Umstieg des Energiesystems auf 100 Prozent erneuerbaren Energien etwa 55 Prozent der globalen Treibhausgasemissionen einsparen. Die Studienautoren sehen das als einzig sinnvolle Lösung, um die Klimaschutzbemühungen effektiv voranzutreiben. Uwe Nestle, Geschäftsführer des Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS), kommentiert: „Wir haben jüngst aufgedeckt, dass sich die jährlichen Subventionen für klimaschädliches Erdgas in Deutschland in 2017 auf enorme 1,4 Milliarden Euro beliefen.“ Bestehende und neue Subventionen in fossile Energien seien aber kontraproduktiv zur Erfüllung der Pariser Klimaziele. „Investitionen in die erneuerbaren Energien hätten dagegen umgehend und dauerhaft einen sehr positiven Effekt auf das Klima“, so Nestle. Die Ergebnisse der Studie können hier kostenlos heruntergeladen werden.