Mehrere Verbände aus dem Wohnungssektor fordern mehr öffentliche Unterstützungsleistungen für die energetische Gebäudesanierung. Sie sehen die Klimaziele in Gefahr.

Um die Klimaziele im Gebäudebereich zu erreichen, seien nach Berechnungen auf Grundlage der dena-Leitstudie „Integrierte Energiewende“ und der BDI-Studie „Klimapfade für Deutschland“ allein für die vermieteten Wohnungen in Deutschland jährlich mindestens sechs Milliarden Euro Unterstützung nötig. Für den gesamten Bestand aller Wohnungen liege diese Zahl sogar bei mindestens 14 Milliarden Euro – je nach Eigentümergruppe als Zuschüsse oder Steuererleichterungen. Denn bis 2030 will die Bundesrepublik die CO2-Emissionen im Gebäudesektor um rund 40 Prozent auf dann 72 Millionen Tonnen senken. Rein rechnerisch bedeutet das, dass der CO2-Ausstoß in 80 Prozent aller Gebäude halbiert werden muss. Die dazu nötige Sanierung der Gebäude ist unter bisherigen Bedingungen allerdings unmöglich und unbezahlbar. Der Spitzenverband der Wohnungswirtschaft GdW, der Deutsche Verband für Wohnungswesen Städtebau und Raumordnung sowie der Deutsche Mieterbund (DMB) fordern deshalb gemeinsam eine massive Ausweitung der öffentlichen Unterstützungsleistungen für die energetische Gebäudesanierung. Andernfalls sehen sie das gesetzte Klimaziel als nicht erreichbar.

„Lust statt Frust auf Klimaschutz im Gebäudebereich“

Michael Groschek, Präsident des Deutschen Verbandes für Wohnungswesen, Städtebau und Raumordnung, sagt dazu: „Lust statt Frust auf Klimaschutz im Gebäudebereich. Das muss das Ziel sein und dafür muss die Agenda deutlich engagierter sein, als die der Bundesregierung. Der Deutsche Verband hat in seinem Kursbuch Klimaschutz im Gebäudebereich die Route skizziert, wie wir das erreichen: Es muss um die Betrachtung der CO2-Bilanz und um technologieoffene Sanierungen gehen, und nicht nur um Effizienz. Das Klimakabinett muss jetzt endlich Fördermittel in einer völlig neuen Größenordnung mobilisieren. Oder wir vergessen die Klimaziele.“ Und auch die Präsidenten des Spitzenverbandes der Wohnungswirtschaft GdW und des DMB sehen diese Maßnahmen als nötig. „In den kommenden zehn Jahren müssten zur Zielerreichung je nach Tiefe der Sanierung mehr als zwei von drei Wohngebäuden energetisch saniert werden. Das gilt im Übrigen sowohl für vermietete Wohnungen als auch für den Eigentumsbereich. Wenn man so hohe Ziele an Eigentümer und Mieter stellt, muss man diese auch politisch absichern. Das bedeutet in diesem Fall: Es muss wesentlich mehr Geld in den Klimaschutz von Gebäuden fließen, als bisher“, meint Axel Gedaschko, Präsident des Spitzenverbandes der Wohnungswirtschaft GdW.

Eine CO2-Bepreisung und ordnungsrechtliche Initiativen lösen nach Meinung der Verbände keine der offenen Fragen der Refinanzierung der energetischen Gebäudesanierung. Die Verbände fordern die Bundesregierung eindringlich dazu auf, bei den Beratungen des Klimakabinetts die wirtschaftlichen und sozialen Handlungsspielräume der Betroffenen angemessen zu berücksichtigen. Die Interessen der Mieter und gleichzeitig die der Vermieter dürften nicht gegeneinander ausgespielt werden.