Beim Sanieren fällt viel Sondermüll an, der in bestimmten Müllverbrennungsanlagen oder auf Deponien höherer Klassen landen muss. Doch die Kapazitäten stoßen an ihre Grenzen.

Was vor 40 Jahren beispielsweise als Dämmmaterial in Dachstühlen verwendet wurde, ist längst nicht mehr zeitgemäß und gilt heutzutage als Sondermüll. Gerade jetzt, wo Gebäude in Massen saniert werden, fällt daher extrem viel Sondermüll an, der in speziellen Müllverbrennungsanlagen verbrannt oder auf dafür vorgesehenen Mülldeponien entsorgt werden muss. Prinzipiell strebt man in Deutschland eine Kreislaufwirtschaft an. Das heißt, dass möglichst viele Materialien vom Bau recycelt und zu einem ähnlichen Material für den gleichen Einsatz auf dem Bau aufbereitet werden sollen. Mit neuartigen Baustoffen funktioniert das – mit dem alten Material, das bei Sanierungen anfällt, funktioniert das allerdings nicht. Einige dieser Stoffe sind als Sondermüll eingestuft und müssen zwingend verbrannt werden. Die Entsorgung auf einer Deponie scheidet meist deshalb aus, weil manche Stoffe zu hohe Brandlasten für die Deponie einbringen und andere Stoffe z.B. einige Kunststoffe, kommen nach und nach als Mikrokunststoffe in den ökologischen Kreislauf.

Verbrennung nur verzögert möglich

Die vorgeschriebene Verbrennung einiger Baustoffe wird allmählich zum Problem, denn der Prozess kann nur verzögert stattfinden und demnach schrittweise abgearbeitet werden. „Die Politik hat den Markt schon vor Jahren völlig falsch eingeschätzt und mit dem Fokus auf das Kreislaufwirtschaftssystem beschlossen, weniger Müllverbrennungsanlagen zu bauen und den Deponieraum zu begrenzen“, sagt Josef Rühle vom Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks (ZVDH). Deshalb werden nun die Kapazitäten knapp, um gefährliche Bauabfälle zu entsorgen. Derzeit gibt es in Deutschland 66 Müllverbrennungsanlagen, die gemeinsam rund 20 Millionen Tonnen Abfälle im Jahr verbrennen. Darunter sind etwa 300.000 Tonnen an gefährlichen Abfällen. Zusätzlich zu diesen Anlagen gibt es 30, die so ausgestattet sind, dass sie jegliche Sonderabfälle verbrennen dürfen.

Betriebe bleiben auf Sondermüll sitzen

Viele Jahre wurde solcher Müll von Deutschland ins Ausland wie zum Beispiel China exportiert und dort entsorgt. Viele dieser Länder, so auch China, haben allerdings einen Importstopp für ausländischen Müll verhängt. Gleichzeitig wurden in Deutschland jahrelang freie Kapazitäten in Müllverbrennungsanlagen mit dem Verbrennen von Abfällen aus dem EU-Ausland gedeckt. Der Grund dafür ist viel Geld, das die Anlagenbetreiber dafür bekommen. Die dadurch abgeschlossenen langfristigen Verträge sorgen allerdings dafür, dass die Anlagen mit ausländischem Müll blockiert sind. Die Folge: Immer mehr Baubetriebe bleiben auf den Sonderabfällen sitzen und werden diese nicht los. Besonders das Dachdeckerhandwerk und Abbruchgewerke sind davon stark betroffen. „Das verteuert die Entsorgung jetzt schon und die Preise werden noch weiter steigen“, sagt der Abfallexperte und Geschäftsführer beim ZVDH. Die einzige momentane Lösung bilden Zwischenlager, die für Handwerksbetriebe allerdings kostenpflichtig wären. „Quer durch die Republik und oft nach Holland werden zurzeit die Abfälle gefahren, um freie Kapazitäten bei den Verbrennungsanlagen zu finden“, sagt Rühle und meint: „Klimaschonend ist was anderes.“