Der Rohstoff Sand wird immer knapper. Für die Herstellung von hochqualitativem Beton wird durch ein neues Verfahren aber nicht mehr so viel Sand benötigt wie vorher.

Die Zerstörung der Lebensräume von Tieren ist unter anderem eine Folge des Raubbaus von Sand für die Baubranche. Künftig kann man statt Sand allerdings auch Fein- und/oder Wüstensande für die Herstellung von qualitativ hochwertigem Beton verwenden. So kann der extra für die Betonproduktion genutzte Sand ersetzt werden. Das senkt zudem die CO2-Menge bei der Produktion, reduziert Transportwege und nutzt neue Ressourcen. Sand ist auf der Erde keine Mangelware, 95 Prozent dieser verfügbaren Sande sind allerdings bisher zu feinkörnig für die Herstellung von Beton gewesen, da sie keine feste Verbindung mit dem Zement eingehen können. Die Folge ist ein Engpass, denn Beton zählt immer noch zu den beliebtesten Baustoffen.

Pellets sind die Lösung

Für die neuartige Herstellung von Beton hat das Münchner Unternehmen MultiCON einen neuen ersten Schritt entwickelt, bei dem aus Fein- und Wüstensand zunächst ein sogenanntes „Feinsandmehl“ entsteht. Dieses bildet in einem nächsten Schritt in Mischung mit mineralischen Bindemitteln und Spezialadditiven druckfeste Pellets in individuellen Größen von 0 bis 16 Millimetern. Sie ersetzen bei der Herstellung von Beton mit der dualen MultiCON Hochgeschwindigkeits-Mischtechnologie den Kies. Diese Technologie ermöglicht somit die Produktion von qualitativ hochwertigem und gleichzeitig umweltschonenderem Beton. MultiCON betont die Vorteile auf dem Bau: Der mit den Pellets entstandene Beton sei um bis zu 25 Prozent leichter, erhärte zudem schneller und weise in der Regel höhere Festigkeiten auf als herkömmlicher Beton.

„Die Nachfrage nach Anlagen zur Aufbereitung von Wüstensand in Verbindung mit der Suspensionstechnologie ist sehr groß”, sagt MultiCON-Geschäftsführer Dr. Leopold Halser. Erste Anlagen seien bereits bestellt und würden bald in Ägypten und Dubai aufgebaut, berichtet MultiCON. Geschäftskontakte nach Jordanien, Bahrain, Saudi-Arabien und Kuwait seien ebenfalls geknüpft worden. Gerade im mittleren Osten und Nordafrika ist die Nachfrage nach der Technologie groß, denn dort war der Wüstensand bisher nicht geeignet für die Betonproduktion. Auch in Europa ist der norddeutsche Feinsand und auch der aus großen Teilen Osteuropas künftig für Bauprojekte nutzbar. „Die Herstellung von einer Tonne Zement erzeugt bis zu 800 kg CO2“, sagt Dr. Halser. Durch die MultiCON-Technologie lassen sich die CO2-Emissionen aber um bis zu 30 Prozent reduzieren, berichtet das Unternehmen und fährt fort: Da im Massenbetonbereich in der Regel weltweit zwischen 300 bis 400 kg Zement eingesetzt werden, könnte man mit der Technologie pro Kubikmeter Beton bis zu 100 Kilogramm CO2-Emissionen einsparen.