Nicht nur Betriebe, sondern vor allem Azubis fragen sich oft: Gilt die Zeit in der Berufsschule als Arbeitszeit? Und muss ein Azubi nach dem Unterricht noch im Betrieb arbeiten?

Ausbildungen laufen so gut wie immer dual. Ob zwei Tage die Woche oder doch in Blöcken. Gerade zu Beginn, aber auch im Verlauf des Bildungsweges kommt da bei Azubi und Betrieb die Frage auf, ob diese Schulzeit als Arbeitszeit angerechnet werden darf. Die prinzipielle Antwort darauf findet man im §15 des Berufsausbildungsgesetzes (BBiG). Hier wird festgelegt, dass der Ausbilder seinen Azubi für die Teilnahme am Unterricht sowie an Prüfungen freistellen muss. Die Berufsschule hat Vorrang vor der Arbeitszeit im Betrieb, während der Unterrichts- und Prüfungszeiten darf der Betrieb seinen Azubi nicht beschäftigen. Diese Pflicht gilt übrigens auch für die Teilnahme am Nachhilfeunterricht, an Vorbereitungslehrgängen für Abschlussprüfungen oder Schulveranstaltungen. Nach §19 des BBiG muss der ausbildende Betrieb außerdem auch für diese Paukphasen die Vergütung fortzahlen.

Sogar Schulweg und Pausen gelten als Arbeitszeit

Bereits am 26. Januar 2001 hat das Bundesarbeitsgericht beschlossen, dass jugendliche und volljährige Azubis sogar die Pausen in der Berufsschule und auch den Hin- und Rückweg auf ihre Arbeitszeit anrechnen können. Doch Achtung: Ist der Azubi volljährig und überschreitet die Unterrichtsdauer die vorgesehene Arbeitszeit von acht Stunden, kann die zusätzliche Zeit nicht mehr als Arbeitszeit angerechnet werden.

Nach der Schule im Betrieb arbeiten

Prinzipiell ist es rechtsgemäß, dass ein Azubi nach einem kurzen Schultag noch im Betrieb arbeitet. Die gesamte Zeit von Schulweg, Unterricht, Pausen und der Arbeitszeit im Betrieb darf die täglich vorgesehene Arbeitszeit von acht Stunden jedoch ebenfalls nicht übersteigen. Die Obergrenze für gearbeitete Wochenstunden liegt für einen volljährigen Azubi bei maximal 48 Stunden. Innerhalb eines Zeitraums von einem halben Jahr beziehungsweise 24 Wochen dürfen die durchschnittlichen 8 Arbeitsstunden am Tag allerdings nicht überschritten werden.

Für minderjährige Azubis gelten andere Regeln. Sie können sich einen Berufsschultag in der Woche, der mindestens fünf Unterrichtsstunden á 45 Minuten enthält, mit acht Stunden auf die Arbeitszeit anrechnen. In Absprache mit dem Betrieb wird dann ein Schultag in der Woche vereinbart, an dem der Azubi nach dem Unterricht nicht mehr im Betrieb arbeiten muss. Sinnvoll ist oft eine Einrichtung von Arbeitszeitkonten oder Arbeitszeitverschiebungen bei Blockunterricht, da es sich oftmals nicht lohnt, nach der Schule noch im Betrieb zu arbeiten. Eine Berufsschulwoche mit planmäßigem Blockunterricht von mindestens 25 Stunden an fünf Tagen kann der jugendliche Azubi mit 40 Zeitstunden anrechnen. Da minderjährige Azubis unter das Jugendarbeitsschutzgesetz fallen, dürfen sie Höchstarbeitszeit von 40 Stunden in der Woche, also durchschnittlich acht Stunden täglich, nicht überschreiten.