Fördergelder gibt es längst nicht nur im Bereich der Sanierung mit beispielsweise erneuerbaren Energien. Auch das Handwerk profitiert von Förderungen durch die EU.

In den letzten Jahren haben nicht nur die Wirtschaftsriesen von der Europäischen Union Fördergelder erhalten. Gerade in ländlichen Regionen wurden auch vielen kleineren Handwerksbetrieben Fördertöpfe der EU bereitgestellt. Gerade deshalb kämpfen Vertreter des Handwerks immer stärker dafür, dass die Regionalförderung im künftigen EU-Haushalt nicht zu stark gekürzt wird. Dass das in Zukunft passieren könnte, liegt vor allem am bevorstehenden Brexit. Hier muss Brüssel zukünftig viele Gelder aufwenden, um beispielsweise Grenzen zu schützen. Außerdem fallen die Mitgliedsbeiträge aus Großbritannien weg, dafür muss dann woanders eben gespart werden. „Die Regionalförderung ist eine Leistung, die bei den Menschen direkt ankommt“, sagte Franz Xaver Peteranderl, Präsident des Bayerischen Handwerkstags zuletzt bei einer Podiumsdiskussion in Brüssel. Über die Hälfte der Deutschen wohnt in ländlichen Regionen. Die Deutsche Handwerks Zeitung hat in Bayern, Sachsen und Hessen nachgefragt, was die EU für die zukünftige Unterstützung des Handwerks plant.

Vielerlei Förderprogramme

Heraus kamen vielzählige Förderprogramme, von denen das Handwerk profitiert. So zum Beispiel der Europäische Fond für regionale Entwicklung (EFRE). Das Programm hat zum Ziel, die Wettbewerbsfähigkeit von an grenznahen Landstrichen ansässigen Unternehmen zu stärken und neue Arbeitsplätze zu schaffen. In Niederbayern hat sich der Erfolg dieses Programms bereits bewiesen: hier konnte eine Zimmerei dank der Unterstützung eine neue Gewerbe- und Fahrzeughalle errichten und neue Maschinen anschaffen. Außerdem kamen sechs neue Arbeitsplätze dazu. Zwischen 2014 und 2020 hat der EFRE in Bayern 134 kleine und mittlere Betriebe mit einer Summe von 46 Millionen Euro gefördert.

Neben dem EFRE dient auch das Förderprogramm LEADER der Regionalentwicklung. Hier ist die Besonderheit, dass nicht Politiker in Brüssel bestimmen, was bezuschusst werden soll, sondern lokale Arbeitsgruppen. Bezuschusst wurden bereits Vorhaben mit verschiedensten Zwecken: Wanderwege und Buslinien, Bienenzüchter und Räucherkerzenhersteller – dabei wissen die Menschen vor Ort am besten, was in ihrer Region gefördert werden sollte. Davon profitiert hat zum Beispiel das Handwerk in Ostsachsen. Alle 24 zwischen 2016 und 2019 eingereichten Stellungnahmen und Anträge zu förderungswürdigen Projekten waren erfolgreich. Experten der Handwerkskammer geben nach einem ausführlich verschafften Eindruck der betreffenden Firma ein Gutachten und entscheiden dann, ob das Projekt gefördert werden soll. Dabei wird die Anschaffungssumme eines Projektes nie vollständig von LEADER gefördert.

Arbeiten im Europäischen Ausland fördern

Neben den großen Förderprogrammen hilft auch die Handwerkskammer, Arbeiter des Handwerks zu unterstützen. Das Land Hessen und die Europäische Union fördern zum Beispiel die Mobilitätsberatung, die beispielsweise in der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main angeboten wird. Hier macht es die Kammer jungen Leuten möglich, einen festen Fuß in ihrem Handwerk vor allem in anderen europäischen Ländern zu fassen. Unter dem Motto „Arbeiten und Lernen in Europa“ unterstützen die Berater Betriebe, die Azubis oder junge Fachkräfte ins Ausland entsenden wollen. Davon profitieren sowohl die Lehrlinge mit ihrem aufgewerteten Lebenslauf als auch die Betriebe selbst werden als Arbeitgeber attraktiver. Besonders Elektroniker, Maler, Kfz-Mechatroniker, Maßschneider und Vertreter der Holzberufe machten von dieser Unterstützung in der Region um Frankfurt Gebrauch.