Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen will sich für das Handwerk einsetzen und stellt eine lange Liste an Maßnahmen auf. Es geht vor allem um Steuervorteile und Bürokratie.

„Starkes Handwerk braucht gute Fachkräfte“ heißt der Antrag, den die Grünen Anfang Juni der Bundesregierung vorgelegt haben. Sechs Seiten umfasst das Dokument, in dem es darum geht, das Handwerk zu stärken. Dabei liegt der Fokus auf Anliegen wie der steuerlichen Entlastung des Handwerks, der Abschaffung überflüssiger und langwieriger Bürokratie-Prozesse und auch auf der Gewinnung neuer Fachkräfte, vor allem unter den jungen Leuten.

Das Hauptaugenmerk liegt auf der Schaffung von zusätzlichen wirtschaftlichen Chancen bei der Energiewende für das Handwerk. So stellt die Partei die Forderung, dass die Eigentümer von Wohnungen, die sie selbst nutzen, für die energetische Sanierung dieser Wohnräume einen Steuerbonus erhalten sollen. Außerdem soll ein sogenanntes „Hunderttausend-Dächer-Programm“ zur Förderung des ökologischen Dachwohnungsbaus und der Modernisierung leerstehender Wohnungen beitragen. Auch kleine und mittlere Unternehmen könnten von dem Antrag der Grünen profitieren, denn ein wesentlicher Punkt des Antrags besteht darin, dass diese Unternehmen bei Strompreisen entlastet werden, „indem Industrieprivilegien auf das notwendige Maß reduziert werden und damit die Preise für andere Verbraucher sinken können“, heißt es im Antrag.

Bürokratische Entlastung

Um der momentan hohen bürokratischen Belastung von Handwerksbetrieben entgegenzuwirken, fordert die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen unter anderem, dass Betriebe ein unbürokratisches zinsloses Darlehen von 25.000 Euro in Anspruch nehmen können, sofern ein geprüftes Wirtschaftlichkeitskonzept vorgelegt wird. Auch soll die Grenze für Sofortabschreibungen von geringwertigen Wirtschaftsgütern auf 1.000 Euro angehoben werden. Außerdem soll die Ist-Versteuerungsgrenze künftig bei zwei Millionen Euro liegen, aktuell liegt sie noch bei 500.000 Euro.

Handwerk für Nachwuchs und Quereinsteiger attraktiver machen

Das Handwerk sei im Alltag überall präsent und unverzichtbar, heißt es in der Begründung. Es sorge dafür, dass Häuser und Dachgeschosse ausgebaut werden können. „Und für einen klimaneutralen Verkehr ertüchtigt und repariert das Handwerk unsere Fahrzeuge. Für all das braucht es gut qualifizierte Fachkräfte und attraktive Rahmenbedingungen, die umweltfreundliches und sozial verantwortliches Unternehmertum fördern.“ Jenseits der Abwanderung bietet das Handwerk in ländlichen Räumen außerdem für viele junge Menschen eine Perspektive. 2018 wurden im Handwerk rund 145.000, also 27,3 Prozent, aller neu abgeschlossenen dualen Ausbildungsverträge registriert. Die Partei fordert, dass der Ausbildungsweg im Handwerk für Quereinsteiger und Ausbildungssuchende attraktiver gemacht werden sollte, damit mehr qualifizierte Fachkräfte für das Handwerk gewonnen werden können.