Wird ein Handwerker länger als 48 Monate auf derselben Baustelle eingesetzt, ist diese nicht unbedingt seine erste Tätigkeitsstätte. Das zeigt ein aktueller Fall.

In der Regel hat jeder Handwerker eine erste Tätigkeitsstätte, die meistens im Arbeitsvertrag geregelt ist. Diese dauerhafte Zuordnung bestimmt der Arbeitgeber aufgrund arbeits- oder dienstrechtlicher Festlegung. Bis 2013 hieß diese erste Tätigkeitsstätte noch Arbeitsstätte, heute gibt sie eine ortsfeste betriebliche Einrichtung des Arbeitgebers an. Aber auch ohne ausdrückliche Bestimmung des Arbeitgebers kann man von einer dauerhaften Zuordnung, also einer ersten Tätigkeitsstätte, ausgehen, wenn der Arbeitnehmer unbefristet, also „bis auf weiteres“ an einer Baustelle tätig wird, wenn er für die gesamte Dauer des Dienstverhältnisses (befristet oder unbefristet) dort eingesetzt wird oder auch, wenn er über einen Zeitraum von mehr als 48 Monaten auf einer Baustelle tätig werden soll.

Ein aktueller Fall vor Gericht zeigt allerdings, dass diese Regelung mit 48 Monaten auf einer Baustelle nicht immer einer Festlegung der ersten Tätigkeitsstätte entspricht. So war ein angestellter Elektriker vier Jahre lang ununterbrochen auf einer Baustelle eingesetzt. Dabei hat die Auftragsfirma seines Arbeitgebers seit 2010 jeweils befristete Aufträge von maximal 36 Monaten erteilt. In seinem Arbeitsvertrag wurde der Elektromonteur keiner ersten Tätigkeitsstätte zugeordnet. Der Elektriker gab seine Fahrtkosten an 227 Tagen mit dem Kilometersatz für die Hin- und Rückfahrt dem Finanzamt weiter. Außerdem berechnete er Verpflegungskosten. Das Finanzamt berücksichtigte bei der Überweisung allerdings nur die Entfernungspauschale, also die einfache Strecke mit 30 Cent je Kilometer. Das begründete das Amt damit, dass die Baustelle nach einem Einsatz von mehr als 48 Monaten zur ersten Tätigkeitsstätte geworden sei. Das focht der Elektriker vor Gericht an.

Die Entscheidung

Am 25. März gaben die Richter am Finanzgericht Münster der Klage dann vollumfänglich statt. Der Elektriker hätte im Streitjahr 2014 keine erste Tätigkeitsstätte gehabt, sodass er Fahrtkosten und Verpflegungsmehraufwendungen nach Reisekostengrundsätzen abziehen konnte. Denn: im Arbeitsvertrag war die betroffene Baustelle nicht als erste Tätigkeitsstätte angegeben und auch war sie nicht mit dem tatsächlichen Arbeitsaufwand von mehr als 48 Monaten erwähnt worden. Somit konnte der Arbeitnehmer nicht im Voraus planen, wo und wie lange er dort arbeiten würde. Er wurde immer wieder befristet auf der Baustelle eingesetzt und konnte somit nicht im Voraus planen, wie er seine Wohnsituation gestalten will. Mit dieser Begründung gaben die Richter dem Elektriker Recht und er bekam seine geforderten Entschädigungen in vollem Umfang ausgezahlt.

Für einige Berufsgruppen sieht die Finanzverwaltung keine erste Tätigkeitsstätte vor. Leiharbeiter und Kraftfahrer zum Beispiel beginnen ihre Anfahrt schon am Wohnsitz. Sie dürfen vom ersten Kilometer anstelle der Entfernungspauschale allerdings unbeschränkt Werbe- oder Reisekosten geltend machen.