Die momentane Geschäftslage bei den nordrhein-westfälischen Handwerksbetrieben sieht gut aus. Einige Betriebe sind allerdings skeptisch, was Zukunftserwartungen angeht.

Das Jahr 2019 startete für Deutschlands Konjunktur mit einem Schwung. Im Vergleich zum letzten Quartal des Vorjahres legt es im Januar bis März 2019 um 0,4 Prozentpunkte zu. Die vorläufige Einschätzung von Wirtschaftsexperten ergab: 1,5 Prozent Plus soll das Bruttoinlandsprodukt im November 2019 machen. Doch schon im März 2019 folgte die Ernüchterung: die Experten korrigierten die Zahl auf 0,8 Prozent nach unten.

Handwerk trotzt diesem Trend

Im Handwerk ist von diesen ernüchternden Einschätzungen allerdings wenig zu sehen, denn hier bleibt das Geschäftsklima nur knapp unter dem Rekordwert aus dem vorherigen Jahr. Das ergibt die Frühjahrsumfrage des Westdeutschen Handwerkskammertags (WHKT). Dass im Handwerk allerdings trotzdem die Skepsis hinsichtlich der Zukunft wächst, macht der Titel der Umfrage deutlich: „Der allgemeine Konjunkturabschwung geht (noch) am Handwerk vorbei“. Noch stelle man sich in den Betrieben nicht auf einen fühlbaren Abschwung ein, heißt es in der Umfrage. „Dem Handwerk mangelt es nicht an Aufträgen und Nachfrage, sondern an Fachkräften. Das Handwerk leidet nicht an einer konjunkturellen Krise, sondern unter Steuer- und Bürokratiebelastungen“, kommentieren WHKT-Präsident Hans Hund und Geschäftsführer Andreas Oehme die Umfrageergebnisse.

Wachstum soll geringer werden

Der WHKT geht nicht davon aus, dass das Handwerk so stark weiter wachsen wird wie im vergangenen Jahr. Lag die Steigerung des Umsatzwachstums im ersten Quartal 2018 im Handwerk noch bei sechs Prozentpunkten, konnte es im ersten Quartal 2019 nur ein Umsatzwachstum von vier Prozentpunkten erwirtschaften. Für das laufende Jahr vermutet man allerdings ein realistisches Wachstum von vier bis fünf Prozentpunkten. Die Zahl aller im zulassungspflichtigen Handwerk Beschäftigten nahm um einen Prozentpunkt zu, die Zahl liegt somit unter dem Wert der Gesamtwirtschaft. Laut WHKT wird die Suche nach Auszubildenden und Fachkräften immer schwieriger. Nur jedes fünfte Unternehmen rechnet damit, dass es zukünftig die Beschäftigung erhöhen kann.

Boom in der Baubranche

Bewertet man alle Gewerbegruppen anhand vom Anteil am handwerklichen Gesamtumsatz, so liegen das Bauhaupt- und das Ausbaugewerbe an der Spitze. Beide erwirtschafteten gemeinsam etwa die Hälfte des handwerklichen Gesamtumsatzes. Das Geschäftsklima liegt hier bei 144 beziehungsweise 143 Punkten und ist somit über dem Landesdurchschnitt. Bei den Handwerkern entwickelt sich die Situation rückläufig. Hier liegt der Geschäftsklimaindex zwar bei 132 Punkten, im Vergleich zu 2018 sind das allerdings acht Punkte weniger. Aufwärts geht es allerdings bei den personenbezogenen Dienstleistungen: mit 125 Punkten ist das Geschäftsklima weiterhin sehr weit oben. Im Vergleich zum Frühjahr 2018 gibt es bei den Umsätzen ein Plus zu verzeichnen.