Nicht lange ist es her, dass Bundesbildungsministerin Anja Karliczek einen Mindestlohn für Azubis gefordert hat. Das deutsche Handwerk kritisiert diese Zukunftspläne.

Der neue Gesetzentwurf sieht eine Schritt-für-Schritt-Steigerung des Azubi-Mindestlohns vor. So sollen Auszubildende schon 2023 einen festgelegten Mindestlohn von 620 Euro bekommen. Ab 2020 werden mindestens 515 Euro festgelegt, danach steigert sich der Lohn jährlich. 2021 werden so 550 Euro festgelegt, 2022 bekommen Auszubildende 585 Euro und ab 2023 gibt es für die Azubis schließlich einen Mindestlohn von 620 Euro. Auch die Mindestsätze für das zweite und dritte Lehrjahr sollen gestaffelt werden.

Schwerer Eingriff in Autonomie

„Aus Sicht des Handwerks bleibt die gesetzliche Festlegung einer Mindestausbildungsvergütung ein schwerer Eingriff in die gelebte Betriebs- und Tarifautonomie und wird gerade die kleinen Handwerksbetriebe in strukturschwachen Regionen in besonderem Maße belasten“, erklärt Holger Schwannecke, Generalsekretär des Zentralverbands des Deutschen Handwerks. „So soll nicht nur zum 1. Januar 2020 eine Mindestausbildungsvergütung in Höhe von 515 Euro eingeführt werden, die bis Ende 2023 auf 620 Euro steigen soll. Durch ebenfalls gesetzlich normierte Wertschöpfungsaufschläge sollen die Basiswerte der Mindestvergütung im zweiten Jahr der Berufsbildung um 18, im dritten um 35 und vierten Jahr um 40 Prozent steigen. Als Folge der dauerhaften Festschreibung dieser Prozentzahlen ergibt sich für zukünftige Steigerungen der Mindestvergütung, dass sich diese beschleunigt erhöhen.“

Das alles führe laut ZDH zu deutlichen Belastungen für kleine Betriebe im Handwerk. Positiv findet der Verband dennoch die gesetzliche Festschreibung eines klaren Tarifvorranges für die Vergütungsregelungen, da diese unter den gesetzlichen Mindestvergütungen liegen. „Insoweit appelliert das Handwerk an die Tarifvertragsparteien, von dieser Regelung verantwortungsvoll im Sinne der Aufrechterhaltung des Ausbildungsengagements gerade kleiner Betriebe im Handwerk Gebrauch zu machen. Es ist auch zu begrüßen, dass durch eine Übergangsregelung die neuen Regelungen nicht auf laufende Ausbildungsverträge Anwendung finden“, so Schwannecke.